Info
Geb.: 9. 4.1811 in Ortenburg
Gest.: 6. 3.1892 in Ortenburg
Namensvarianten: Johanna Katharina Koch; Jungfer Bas

Katharina Koch

Katharina Koch (1811-1892) gilt von 1850 an als angesehene Heimatdichterin:  Über Bayern hinaus bekannt wird sie 1872, als das illustrierte Familienblatt Die Gartenlaube ihr Gedicht „Wer so viel ertragen und tragen kann“ veröffentlicht. In ihrem Heimatort Ortenburg eröffnet sie eine Arbeitsschule und verdient sich als Näherin sowie durch Schreibarbeiten etwas hinzu.

Werdegang

Johanna Katharina Koch wird als uneheliches Kind der Metzgerstochter Cordula Osterer in Ortenburg geboren. Der Vater stirbt während der Napoleonischen Kriege noch vor der Hochzeit, Katharina wird deshalb als Pflegekind in die Obhut einer gräflich ortenburgischen Kanzlistenwitwe gegeben. In der Schulzeit gehört sie zu den Besten der Klasse, noch vor der Konfirmation muss sie aber ihr Brot selbst verdienen: zuerst als Kindermädchen in einer Bäckerei, später als Bauernmagd. Obwohl sie schon früh damit anfängt, Gedichte zu schreiben und tagebuchartige Notizen anzufertigen, bleibt ihr bildungshungriger Geist infolge der harten Arbeit von allem abgeschnitten. Nachdem sich Heiratspläne mit einem jungen Mann wegen der Standesunterschiede zerschlagen, ergreift Katharina die Initiative und nimmt Kontakt zu einer entfernten Verwandten in Regensburg auf.

1830 zieht sie nach Regensburg: Katharina arbeitet im Haushalt der Verwandten; nebenbei wird sie in der lithografischen Anstalt des Hauses beschäftigt. In ihrer Freizeit kann sie Bücher und Zeitschriften lesen und sogar das Theater besuchen. Die Übersiedlung ihres Dienstherren nach Nürnberg 1838 bedeutet für Katharina ein jähes Ende. Da sie das Angebot ausschlägt mitzukommen, kehrt sie Ende des Jahres in ihr Heimatdorf Ortenburg zurück, wo sie eine Arbeitsschule eröffnet, in der sie jungen Mädchen Handarbeitsunterricht erteilt, und sich als Näherin sowie durch Schreibarbeiten etwas hinzuverdient.

Wichtige Werke (Auswahl)

Im Unterhaltungsblatt einer ortsansässigen Zeitung erscheinen anonym ihre ersten Gedichte. Ihre „Mitgaben ins Grab“ – Bibelsprüche und eigene Verse, die sie in ihrer Arbeitsschule auf Bandschleifen schreibt – machen die junge Dichterin im Ort bekannt. Zu ihren Förderern und Gönnern zählen außer dem Dorfpfarrer die Gräfin von Tauffkirchen, zu deren goldener Hochzeit Katharina Koch ein Gratulationsgedicht verfasst.

Es folgen Gedichtveröffentlichungen in der Passauer Zeitung, ein von ihr verfasster Zeitungsartikel über Ortenburg sorgt allerdings auch für Unmut in der Heimatgemeinde. Eine Erweiterung ihres Artikels als Beitrag für die Stahlstich-Folge Das Königreich Bayern in seinen alterthümlichen, geschichtlichen, artistischen und malerischen Schönheiten der Buchhandlung Franz in München beeindruckt Katharina Kochs Kritiker so sehr, dass sie von 1850 an als angesehene Heimatdichterin gelten kann.

Ihr Selbstbewusstsein wächst mit wachsender Anerkennung: Über Bayern hinaus bekannt wird sie 1872, als das illustrierte Familienblatt Die Gartenlaube ihr Gedicht „Wer so viel ertragen und tragen kann“ veröffentlicht. Der Siebenbürgener Literaturprofessor Karl Weiß-Schrattenthal gibt schließlich ihre Lyrik als Buch heraus. Unter dem Titel Mein Leitstern erscheint es 1883 im Selbstverlag.  Das Leserecho ist derart groß, dass drei Jahre später ein Stuttgarter Verlag eine zweite Auflage druckt. Im Jahre 1889 besucht sie ihr Herausgeber in Ortenburg und fordert sie auf, ihre Lebenserinnerungen aufzuschreiben. Unter dem Titel Katharina Koch, eine deutsche Naturdichterin erscheint nach ihrem Tod 1895 eine erweiterte Neuauflage ihres Gedichtbands, vermehrt um die im Nachlass gefundenen Gedichte, eine Erzählung „Hold und Hort“ sowie die Lebenserinnerungen der Dichterin.

Stil / Rezeption

Am 29. Juni 1911 wird ihr zu Ehren zu ihrem 100. Geburtstag ein Gedenkstein an der Marktkirche (Ortenburg) errichtet. 1983 wird ihr Andenken durch einen Artikel von Walter Fuchs im Donauboten und 1993 mit dem Buch Der große Dom von Hans Göttler erneut geweckt. Im selben Jahr wird an der Ortenburger Schlossapotheke am Marktplatz, an ihrem einstigen Geburtshaus, eine Gedenkplakette angebracht. 

Preise & Auszeichnungen

Für ihr Gedicht „Wer so viel ertragen und tragen kann“ erhält von der Schiller-Stiftung eine finanzielle Ehrengabe. Eine spürbare Verbesserung ihrer Verhältnisse ergibt sich indessen erst, als ihr eigener Band Mein Leitstern erscheint. König Ludwig II. von Bayern, dem ein Exemplar zugesandt wird, lässt der Dichterin eine Unterstützung von 100 Mark zukommen. Durch Vermittlung von Weiß-Schrattenthal erhält Katharina Koch weitere Beitragshilfen: 1888/89 eine Zuwendung der Schiller-Stiftung von 150 Mark, 1890/91 eine solche der Tiedge-Stiftung von 300 Mark. 

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Göttler, Hans (2008): „Ich glaub an dich, Herr Jesu Christ!“ Die geistliche „Naturdichterin“ Katharina Koch (1811-1892). In: Jakob, Reinhard (Hg.): Frauen schreiben: G'schichten vom Land. Schriftstellerinnen und das ländliche Milieu [Ausstellung im Bauernhofmuseum Jexhof, 12. Juni bis 31. Oktober 2008] (Jexhof-Heft, 24). Bauernhofmuseum Jexhof, Fürstenfeldbruck, S. 32-39.

Weichslgartner, Alois J. (2001): Schreiber und Poeten. Schriftsteller aus Altbayern und Schwaben im 19. Jahrhundert. Bayerland Druckerei und Verlagsanstalt, Dachau.


Externe Links:

Literatur von Katharina Koch im BVB

Katharina Koch im RegioWiki Niederbayern