Nikolaus Fey
Nikolaus Fey (1881-1956) erhält die fränkische Mundart und Brauchtum, er erzielt damit überregionale Bekanntheit. Leben und Werk sind jedoch untrennbar mit seiner Rolle im NS-Regime verbunden: Fey ist ab 1933 NSDAP-Mitglied, später Schrifttumsbeauftragter der Reichsschrifttumskammer und an ihrer Propagandamaschinerie im besetzten Polen beteiligt.
Werdegang
Nikolaus Fey wird in Wiesentheid, Unterfranken, als drittes von neun Kindern einer Schreinerfamilie geboren. Nach abgeschlossener Schreinerlehre bei seinem Vater und erfolgreichem Abitur studiert er Geschichte, Kunst- und Literaturgeschichte in München und Berlin. Ab 1910 studiert er für ein Jahr als Gasthörer an der Universität Theater- und Kunstgeschichte. Nachdem Fey 1914 im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wird, zieht er mit seiner Familie nach Lohr am Main, wo er den Lohrer Anzeiger kauft und einige Jahre leitet. In seinem Geburtsort gründet er den Philippus-Verlag, in dem er seine eigenen Dichtungen, Essays und Erzählungen veröffentlicht.
Bereits 1933 tritt er der NSDAP bei. Nikolaus Fey wird zum Schrifttumsbeauftragten der sog. „Reichsschrifttumskammer“ berufen. Von 1942 bis 1944 wirkt er in der Regierung des Generalgouvernements in Krakau mit. Dort beteiligt er sich an der Zensur und versucht, die Bewohner propagandistisch zu beeinflussen. Aufgrund seiner offiziellen Funktion wird durch die amerikanischen Besatzer 1945 ein Schreibverbot über ihn verhängt. Bis dieses fünf Jahre später aufgehoben wird, leistet Fey als Sanktion Waldarbeit. Eine Würzburger Kommission aus dem Jahr 2021 hält fest: „Fey hat sich zu seinem Tun während der NS-Zeit nach derzeitigem Kenntnisstand nie kritisch geäußert.“
Bis zu seinem Tod 1956 reist er für Lesungen und Vorträge durch Franken und schreibt immer wieder Schauspiele. Während einer solchen Reise verstirbt er und wird in Lohr am Main beerdigt.
Wichtige Werke (Auswahl)
Die Mundartkomödie Hemlia Liab (1906) ist sein erstes Werk. Es folgen weitere Schauspiele, darunter Der kleine Heiland (1912), Loasa Vögeli (1922), Von fränkischer Art (1925), Florian Geyer (1925) und Mei Frank’n (1929). Ab dem Beginn der 1930er-Jahre verfasst Fey zahlreiche mundartliche Einakter, die die Geschichte fränkischer Orte zum Thema haben. Feys Werke sind stets geprägt von seinem Anliegen, die fränkische Mundart sowie das fränkische Brauchtum zu erhalten, verleihen ihm aber auch überregionale Bekanntheit.
Während des Nationalsozialismus reihen sich seine Heimat- und Mundartdichtung zunehmend in die Blut-und-Boden-Ideologie ein. „Vergleiche unterschiedlicher Textfassungen seiner Werke haben ergeben, dass er wiederholt selbst Texte im Sinne der NS-Ideologie überarbeitet hat.“ (Würzburger Kommission 2021) Sein Heimatspiel Florian Geyer (1925), das anlässlich des Bauernkrieg-Gedenkjahres veröffentlicht wird und in Giebelstadt seine Premiere feiert, wird ab 1933 von den Nationalsozialisten benutzt und trägt maßgeblich zur Propagierung des Geyer-Mythos bei: Die historische Figur Florian Geyer wird ungeachtet der tatsächlichen Faktenlage zum ersten Nationalsozialisten stilisiert. Obwohl das Stück selbst keinen politischen Bezug aufweist, kommt Fey dieser Interpretation entgegen, da er 1934 in einem Schauspiel Adolf Hitler als Reinkarnation Geyers bezeichnet.
In den Vorworten zu seinem Liederbuch Mei Frank’n (1938) und seinem Gedichtband Heemet, dei Harz (1941) bedient er sich des Jargons der Nationalsozialisten. Auch bei der Hochzeitsfeier Otto Hellmuths hält Fey eine völkisch geprägte Rede. Trotz seiner Nähe zum Nationalsozialismus tritt er nicht aus der Kirche aus und lässt religiöse Themen in seiner Dichtung nicht außen vor. 1951 veröffentlicht Fey Lukas der Silberschmied von Alzenau.
Preise & Auszeichnungen
1937 erhält er den Friedrich-Rückert-Preis für Schrifttum und Literatur in Franken. 1951 wird Fey zum Ehrenbürger seines Geburtsorts Wiesentheid ernannt.
Stil / Rezeption
Verschiedene Straßen und Schulen, u.a. in den Gemeinden Bad Kissingen, Steinfeld und seinem Heimatort Wiesentheid, sind nach Nikolaus Fey benannt. In Folge von Recherchen in den 2010er- und 2020er-Jahren, die seine NS-Nähe aufarbeiten, entscheiden sich andere Gemeinden, darunter Haßfurt, Lohr am Main, Karlstadt und Würzburg dazu, die hier nach ihm benannten Straßen umzubenennen.
Mitgliedschaften
1908 wird Nikolaus Fey Mitglied der Hetzfelder Flößerzunft, einem Zirkel von Kulturschaffenden aus dem mittelfränkischen Raum.
Sekundärliteratur:
Busch, Carsten (2021): Nikolaus Fey. Nur ein Kämpfer für Franken? Versuch eines Lebensbildes. J.H. Röll Verlag, Dettelbach.
http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Vom-Schreinerlehrling-zum-fraenkischen-Heimatdichter;art772,2996203, (03.04.2017).
Jehmüller, Wolfgang (2002): Die Bühnen in Stadt und Land. In: Kolb, Peter; Krenig, Ernst-Günter (Hg.): Unterfränkische Geschichte. Von der Eingliederung in das Königreich Bayern bis zum beginnenden 21. Jahrhundert. Bd. 5/2. echter, Würzburg, 467-492.
Wagner, Eberhard; Rascher, Reinhard (1987): Das fränkische Dialektbuch. Beck, München.
Externe Links:
Literatur von Nikolaus Fey im BVB
Nikolaus Fey (1881-1956) erhält die fränkische Mundart und Brauchtum, er erzielt damit überregionale Bekanntheit. Leben und Werk sind jedoch untrennbar mit seiner Rolle im NS-Regime verbunden: Fey ist ab 1933 NSDAP-Mitglied, später Schrifttumsbeauftragter der Reichsschrifttumskammer und an ihrer Propagandamaschinerie im besetzten Polen beteiligt.
Werdegang
Nikolaus Fey wird in Wiesentheid, Unterfranken, als drittes von neun Kindern einer Schreinerfamilie geboren. Nach abgeschlossener Schreinerlehre bei seinem Vater und erfolgreichem Abitur studiert er Geschichte, Kunst- und Literaturgeschichte in München und Berlin. Ab 1910 studiert er für ein Jahr als Gasthörer an der Universität Theater- und Kunstgeschichte. Nachdem Fey 1914 im Ersten Weltkrieg schwer verwundet wird, zieht er mit seiner Familie nach Lohr am Main, wo er den Lohrer Anzeiger kauft und einige Jahre leitet. In seinem Geburtsort gründet er den Philippus-Verlag, in dem er seine eigenen Dichtungen, Essays und Erzählungen veröffentlicht.
Bereits 1933 tritt er der NSDAP bei. Nikolaus Fey wird zum Schrifttumsbeauftragten der sog. „Reichsschrifttumskammer“ berufen. Von 1942 bis 1944 wirkt er in der Regierung des Generalgouvernements in Krakau mit. Dort beteiligt er sich an der Zensur und versucht, die Bewohner propagandistisch zu beeinflussen. Aufgrund seiner offiziellen Funktion wird durch die amerikanischen Besatzer 1945 ein Schreibverbot über ihn verhängt. Bis dieses fünf Jahre später aufgehoben wird, leistet Fey als Sanktion Waldarbeit. Eine Würzburger Kommission aus dem Jahr 2021 hält fest: „Fey hat sich zu seinem Tun während der NS-Zeit nach derzeitigem Kenntnisstand nie kritisch geäußert.“
Bis zu seinem Tod 1956 reist er für Lesungen und Vorträge durch Franken und schreibt immer wieder Schauspiele. Während einer solchen Reise verstirbt er und wird in Lohr am Main beerdigt.
Wichtige Werke (Auswahl)
Die Mundartkomödie Hemlia Liab (1906) ist sein erstes Werk. Es folgen weitere Schauspiele, darunter Der kleine Heiland (1912), Loasa Vögeli (1922), Von fränkischer Art (1925), Florian Geyer (1925) und Mei Frank’n (1929). Ab dem Beginn der 1930er-Jahre verfasst Fey zahlreiche mundartliche Einakter, die die Geschichte fränkischer Orte zum Thema haben. Feys Werke sind stets geprägt von seinem Anliegen, die fränkische Mundart sowie das fränkische Brauchtum zu erhalten, verleihen ihm aber auch überregionale Bekanntheit.
Während des Nationalsozialismus reihen sich seine Heimat- und Mundartdichtung zunehmend in die Blut-und-Boden-Ideologie ein. „Vergleiche unterschiedlicher Textfassungen seiner Werke haben ergeben, dass er wiederholt selbst Texte im Sinne der NS-Ideologie überarbeitet hat.“ (Würzburger Kommission 2021) Sein Heimatspiel Florian Geyer (1925), das anlässlich des Bauernkrieg-Gedenkjahres veröffentlicht wird und in Giebelstadt seine Premiere feiert, wird ab 1933 von den Nationalsozialisten benutzt und trägt maßgeblich zur Propagierung des Geyer-Mythos bei: Die historische Figur Florian Geyer wird ungeachtet der tatsächlichen Faktenlage zum ersten Nationalsozialisten stilisiert. Obwohl das Stück selbst keinen politischen Bezug aufweist, kommt Fey dieser Interpretation entgegen, da er 1934 in einem Schauspiel Adolf Hitler als Reinkarnation Geyers bezeichnet.
In den Vorworten zu seinem Liederbuch Mei Frank’n (1938) und seinem Gedichtband Heemet, dei Harz (1941) bedient er sich des Jargons der Nationalsozialisten. Auch bei der Hochzeitsfeier Otto Hellmuths hält Fey eine völkisch geprägte Rede. Trotz seiner Nähe zum Nationalsozialismus tritt er nicht aus der Kirche aus und lässt religiöse Themen in seiner Dichtung nicht außen vor. 1951 veröffentlicht Fey Lukas der Silberschmied von Alzenau.
Preise & Auszeichnungen
1937 erhält er den Friedrich-Rückert-Preis für Schrifttum und Literatur in Franken. 1951 wird Fey zum Ehrenbürger seines Geburtsorts Wiesentheid ernannt.
Stil / Rezeption
Verschiedene Straßen und Schulen, u.a. in den Gemeinden Bad Kissingen, Steinfeld und seinem Heimatort Wiesentheid, sind nach Nikolaus Fey benannt. In Folge von Recherchen in den 2010er- und 2020er-Jahren, die seine NS-Nähe aufarbeiten, entscheiden sich andere Gemeinden, darunter Haßfurt, Lohr am Main, Karlstadt und Würzburg dazu, die hier nach ihm benannten Straßen umzubenennen.
Mitgliedschaften
1908 wird Nikolaus Fey Mitglied der Hetzfelder Flößerzunft, einem Zirkel von Kulturschaffenden aus dem mittelfränkischen Raum.
Busch, Carsten (2021): Nikolaus Fey. Nur ein Kämpfer für Franken? Versuch eines Lebensbildes. J.H. Röll Verlag, Dettelbach.
http://www.mainpost.de/regional/main-spessart/Vom-Schreinerlehrling-zum-fraenkischen-Heimatdichter;art772,2996203, (03.04.2017).
Jehmüller, Wolfgang (2002): Die Bühnen in Stadt und Land. In: Kolb, Peter; Krenig, Ernst-Günter (Hg.): Unterfränkische Geschichte. Von der Eingliederung in das Königreich Bayern bis zum beginnenden 21. Jahrhundert. Bd. 5/2. echter, Würzburg, 467-492.
Wagner, Eberhard; Rascher, Reinhard (1987): Das fränkische Dialektbuch. Beck, München.
