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Geb.: 5. 8.1947 in Unterfahlheim

Manfred Enderle

Manfred Enderle ist ein Grenzgänger zwischen Wissenschaft und Literatur. Als international anerkannter Mykologe, der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde und über ein Dutzend neuer Pilzarten beschrieb, findet er Mitte der 1990er-Jahre den Weg zur Belletristik. Heute verbindet er seine tiefe Verbundenheit zur Natur des schwäbischen Donautals mit einer literarischen Arbeit als Lyriker, Krimiautor und engagierter Förderer der regionalen Literaturszene.

Werdegang

Manfred Enderle wird 1947 in Unterfahlheim im bayerischen Schwaben geboren. Seine berufliche Laufbahn beginnt nach der Mittleren Reife in Neu-Ulm mit einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei der dortigen Firma Wilhelm Reich, die er als Landesbester beim kaufmännischen Berufswettkampf abschließt. Es folgt eine Ausbildung zum diplomierten Dolmetscher und Übersetzer in München sowie die staatliche Übersetzerprüfung in Stuttgart. Anschließend ist er fast 30 Jahre lang in der Übersetzungs- und Exportabteilung der Wieland-Werke AG in Ulm tätig.

Parallel zu seiner kaufmännisch-linguistischen Karriere entwickelt Enderle ab 1975 eine intensive, wissenschaftlich hochkarätige Beschäftigung mit der Pilzkunde. Er baut eine rund 2000 Belege umfassende Pilzsammlung auf, die im November 2009 vom Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlsruhe erworben wird. Zudem fungiert er seit vielen Jahren als anerkannter Sachverständiger bei Pilzvergiftungen für die Giftnotrufzentrale München sowie für zahlreiche Kinder- und Universitätskliniken. Ab 1995 verlagert sich sein persönlicher Fokus stark auf die Literatur des 20. Jahrhunderts. Er professionalisiert sein Schreiben durch den Besuch von Kreativschreibkursen, Prosa- und Lyrikseminaren bei Dozenten wie Anton Leitner, Alexander Nitzberg und Peter Renz und widmet sich seither intensiv dem eigenen literarischen Schaffen.

Wichtige Werke (Auswahl)

Manfred Enderles Publikationsliste spiegelt seine Doppelidentität als Wissenschaftler und Literat wider. Im Bereich der Belletristik debütiert er mit dem Naturkrimi Nachtwanderer, der im Gmeiner-Verlag in zweiter Auflage erscheint, später vom Verlag DeBehr unter dem Titel Der Nachtwanderer neu herausgegeben und von der Theaterautorin Ulla Kling für die Bühne bearbeitet wird. Seine lyrische Seite zeigt sich im Band Gedichte aus dem Donautal sowie im gemeinschaftlichen Lyrikband Liebe, Kneipe und Natur, den er zusammen mit R. Kuttler im Wiesenburg-Verlag veröffentlicht. Darüber hinaus tritt er als Herausgeber des Werkes Gedichte aus dem Ulmer Winkel. Zehn lyrische Stimmen in Erscheinung und übernimmt die Textsammlung sowie das Lektorat für die Anthologie 2011 des Günzburger Autoren-Vereins. Seine Gedichte und Prosatexte sind zudem in verschiedenen nationalen Anthologien zu finden.

Auf wissenschaftlicher Ebene veröffentlicht Enderle über 100 mykologische Arbeiten in nationalen und internationalen Pilzfachzeitschriften. Zu seinen pilzkundlichen Fachbüchern gehören der Kosmos-Bestimmungsführer Pilze auf Holz, welcher auch in einer holländischen Übersetzung erschien, sowie der Band Polyporales, Poriales, Inocyben, Pyrenomyceten innerhalb der Ulmer Pilzflora. Sein umfassendstes Fachbuch ist das 521 Seiten starke Werk Die Pilzflora des Ulmer Raumes. Als Forscher ist er zudem Allein- oder Mitbeschreiber von 25 für die Wissenschaft neuen Pilzarten, und über 50 Pilzarten, -varietäten oder -formen tragen seinen Namen im Autorenzitat.

Preise & Auszeichnungen

Für seine herausragenden Leistungen in der Forschung und im Naturschutz erhält Manfred Enderle zahlreiche hochrangige Ehrungen. Bereits im Alter von 40 Jahren wird ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, womit er zu dieser Zeit der jüngste Bundesverdienstkreuzträger Bayerns ist. Im Jahr 1987 zeichnet ihn die Deutsche Gesellschaft für Mykologie mit dem „A.-Ricken-Preis“ als besten deutschen Nachwuchsmykologen aus. Für sein pilzkundliches Lebenswerk erhällt er 2005 den „Anton-de-Bary-Preis“ der Regensburgischen Botanischen Gesellschaft und der Universität Regensburg. Im selben Jahr wird ihm für seine Forschungen und die Herausgabe seines Buches über die Ulmer Pilzflora der „Landespreis für Heimatforschung“ des Landes Baden-Württemberg durch Staatssekretärin Dr. Monika Stolz überreicht. Kurz darauf, im Mai 2006, folgt der „Umweltpreis des Landkreises Günzburg“ für seine Verdienste im Natur- und Umweltschutz. Zudem ist er Träger der 7-Schwaben-Medaille, die ihm für die Pilzaufklärung in Schwaben verliehen wird.

Tätigkeit im literarischen Betrieb

Enderle zeichnet sich durch ein großes Engagement für die regionale Literaturszene aus und organisierte bislang rund 35 öffentliche Lesungen im Raum Ulm und Günzburg. Er ist der Initiator und Organisator der alljährlichen Autorenlesung am Internationalen Museumstag im Kunstmuseum in Oberfahlheim, die im Jahr 2003 ins Leben gerufen wird. Ebenso begründet und organisiert er seit 2005 die „Leipheimer Autorenlesung“, die alljährlich im November in Zusammenarbeit mit der Leipheimer Volkshochschule und dem Kuratorium der Stadtbücherei stattfindet. Neben der aktiven Teilnahme an literarischen Wettbewerben, wie dem vierten Irseer Autorenwettbewerb Pegasus, engagiert er sich stark als Mitgründer des Günzburger Literatur- und Autoren-Vereins und unterstützt diesen bei der Veröffentlichung und dem Lektorat von Anthologien. Seine organisatorische und aufklärende Tätigkeit zeigt sich auch im naturkundlichen Bereich, in dem er seit 1975 insgesamt rund 200 pilzkundliche Führungen und Vorträge im schwäbischen Raum durchgeführt hat.

Mitgliedschaften

Manfred Enderle ist und war in einer Vielzahl von wissenschaftlichen, literarischen und gesellschaftlichen Vereinigungen aktiv vernetzt. Im literarischen Bereich gehört er seit Juni 2008 dem Günzburger Literatur- und Autoren-Verein als Gründungsmitglied an und ist ab 2002 zeitweise Mitglied im Verein Ulmer Autoren ’81 e.V., aus dem er später wieder austritt. Seine mykologische Heimat hat er in der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, der er seit Anfang 1976 angehört und für die er nach seiner Prüfung zum Pilzsachverständigen heute als Referent tätig ist. Darüber hinaus gründet er im Oktober 1976 die Arbeitsgemeinschaft Mykologie Ulm, deren Ehrenvorsitzender er heute ist. Er ist zudem Ehrenmitglied des Vereins für Naturwissenschaft und Mathematik in Ulm e.V., in dem er zuvor 27 Jahre lang als Vorstandsmitglied und Schatzmeister wirkt. Eine lebenszeitige Ehrenmitgliedschaft verbindet ihn seit 1992 mit dem Pilzverein Ravenna in Italien. Des Weiteren ist er Mitglied in der geschichtsträchtigen Regensburgischen Botanischen Gesellschaft, der ältesten botanischen Gesellschaft der Welt. Abseits der Naturkunde und Literatur engagiert er sich seit Dezember 1997 im Fischereiverein „Riedheimer Hechte e.V.“, wo er die Funktion des Pressewarts bekleidet.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek


Externe Links:

Literatur von Manfred Enderle im BVB

Website des Autors

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