Ödön von Horváth in den Kalkalpen

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Felizia Seyd und Ödön von Horváth, 1920er Jahre. Fotoalbum Karl-Heinrich Emhardt (Archiv Monacensia)

Eine spezielle Art von Heimatverbundenheit zeigt sich in mehreren Texten Horváths, die während des Jahres 1929 in Zeitungen und Zeitschriften des Ullstein-Verlags erscheinen. Darin setzt sich Horváth mit der oft hinterweltlerischen Gedankenwelt seiner bayerischen Wahlheimat und der angrenzenden Tiroler Bergwelt auseinander. Der folgende kurze Text über den Krottenkopf nimmt sich demgegenüber fast schon humorvoll aus:

Ein Fremder fragt zwei eingeborene Brüder: „Verzeihen Sie, bitte, könnten Sie mir sagen welche Kuppe der Krottenkopf ist?“

„Ha?“

„Der Krottenkopf, bitte.“

„Der Krottenkopf“ , befleißigt sich der eine schriftdeutsch zu antworten, „des is dort der dicke, der dritte rechts hinter dem vierten links ganz hint, aber jetzt sehngs den net, von hier aus kann man nämli den Krottenkopf nicht sehen.“

„? ? ? ?“

„Geh lass do den Socka!“ meinte der ältere Bruder freundlich.

„Leck mi am Arsch,“ belehrte ihn der Jüngere. „Wannst a Fremdnort sein wuillst, musst scho freundli sein zu de Leut, da hilft si nix.“ (Zit. aus: Ödön von Horváth: Sportmärchen, andere Prosa und Verse. Hg. von Traugott Krischke. Gesammelte Werke Bd. 11. Frankfurt am Main 1988, S. 139f.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Tworek, Elisabeth (2011): Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 228f., S. 252f.



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