D. H. Lawrence in Oberbayern: Zusammenleben

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbthemes/2014/klein/lawrence_beuerberg_500.jpg
Beuerberg. Kupferstich ca. 1701. (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung)

Nach ihrem Treffen in München verbringen D. H. Lawrence und Frieda Weekley einen einwöchigen „Honeymoon“ im kleinen Klosterdorf Beuerberg über der Loisach, das damals noch an die Isartalbahn angeschlossen ist. „Die Frieda und ich haben unseres Zusammenleben in Beuerberg im Isartal angefangen – in Mai, 1912 – und wie schön es war! ach Gott“, erinnert sich Lawrence wehmütig an den Beginn seiner wilden Ehe in einem seiner letzten Briefe an Max Mohr (The Letters of D. H. Lawrence, Vol. 7, S. 438).[1]

Zwischen dem 25. Mai und 1. Juni 1912 beziehen er und Frieda eine Unterkunft im damaligen Gasthof zu Post, Klosterstraße 8. Lawrence führt hierzu aus:

Wir blieben eine Nacht in München und gingen dann für acht Tage nach Beuerberg. Beuerberg ist etwa 40 Kilometer von München entfernt, das Isartal aufwärts, am Fuß der Alpen. Es ist das Bayerische Tirol. Wir wohnten im Gasthaus zur Post. Morgens frühstückten wir immer unter den alten Kastanien, und die roten und weißen Blüten fielen auf uns nieder. Der Garten lag auf einem Steilhang hoch über dem Fluß und über dem Wehr, wo das Bauholz hinuntergeflößt wird. Die Loisach – so heißt der Fluß – ist hell nephritgrün, weil das Wasser von den Gletschern kommt. Es ist furchtbar kalt und reißend. Die Leute waren allesamt so wunderliche Bayern. Dem Gasthaus gegenüber, hinter einem Platz mit Kastanien, lagen die Kirche und das Kloster, so friedlich, ganz weißgetüncht, ausgenommen das Minarett auf der Kirche, das einen schwarzen Hut hat. Jeden Tag machen wir lange, lange Spaziergänge. [...] (Briefe, S. 62f.)

Auch Frieda gedenkt in ihren Memoiren der gemeinsamen Zeit in Beuerberg, wiewohl das Körperlich-Heilige bei ihr mehr in den Vordergrund rückt:

Ich erinnere mich, wie ich in einer Kapelle bei Beuerberg eine Madonna sah. Sie war keine mater dolorosa, auch nicht sehr durchgeistigt, sondern glich einer gelassenen Bäuerin. Ich sagte zu ihr: „Ja, du trägst einen Heiligenschein um den Kopf, doch mir ist als leuchte ich von Kopf bis zu Fuß. Das Gefühl gibt er mir. Du hast nur einen toten Sohn. Das ist mir nicht genug. Gib mir einen lebendigen Mann.“ (Nur der Wind..., S. 73)

An den Beginn des „Honeymoon“ im Gasthaus zur Post erinnert zudem das Gedicht „First Morning“ von Lawrence, das „Beuerberg“ unterschrieben ist.



[1] Deutsches Originalzitat von Lawrence.


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Peter Czoik

Kommentar schreiben