Herz aus Glas // Johann Wolfgang von Goethe

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Titelblatt der "Ars Vitraria Experimentalis Oder vollkommene Glasmacher-Kunst" (1743) von Johann Kunckel

Am 15. August 1822 besuchte der 73-jährige Weimarer Dichterfürst Goethe Waldsassen – wo er bereits am 3. September 1786 auf seiner Italienischen Reise Station gemacht hatte – Kondrau und Mitterteich. In Begleitung des 22-jährigen Marktredwitzer Fabrikantensohns Friedrich Christian Fikentscher gelangte Goethe über „Brand den Berg hinauf einen schrecklichen Basaltweg“ in die Fikentscher-Glashütte. Hier waren 17 Menschen beschäftigt. Goethe versprach sich von dem Besuch sehr viel, da er hoffen durfte, brauchbare Gläser für die Versuche zu seiner Farbenlehre zu bekommen.

In den Reise-Notizen notiert Goethe:

Es werden große Fenstertafeln gefertigt; wir sehen die ganze Manipulation mit an, die wirklich furchtbar ist. Sie bliesen Walzen von drei Fuß Höhe in verhältnismäßigem Durchmesser. Diese ungeheuern Körper aufschwellen, glühend schwingen und wieder in den Ofen schieben zu sehen, je 3 und 3 Mann ganz nah nebeneinander, macht einen ängstlichen Eindruck...

Goethe schließt: „Bedeutendes Gewitter, von Westen nach Osten ziehend. Ich las in Kunckels' Glasmacherkunst und bewunderte den Gehalt dieses Werkes aufs neue.“ Sein Eintrag endet: „Fuhren ab um vier Uhr; nahmen in Waldsassen der köstlichen Bratwürstchen mit; vor Nacht in Eger. Meist die beste Chaussee.“


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2012): Vor 190 Jahren: Goethe besichtigt die Fikentscher-Glashütte bei Brand. In: Heimat – Landkreis Tirschenreuth 24 (Pressath), S. 33-37.



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