Lovis Corinth am Walchensee

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Walchensee, 1925. Fotoalbum Liesl Karlstadt (Archiv Monacensia)

Der in Berlin lebende Maler Lovis Corinth verbringt zwischen 1919 und 1925 die Sommer- und Wintermonate regelmäßig in seinem Holzhaus in Urfeld am Walchensee. Die Seenlandschaft inspiriert ihn dermaßen, dass er in nur sieben Jahren 58 Gemälde, Aquarelle, Lithografien, Radierungen und Zeichnungen mit Motiven aus der näheren Umgebung schafft. Über den Walchensee schreibt Corinth:

Der See wechselt in rätselhaften Farben und Stimmungen. Bald blitzt er wie ein Smaragd, bald wird er blau wie ein Saphir und dann glitzern Amethyste im Ring mit der gewaltigen Einfassung von alten, schwarzen Tannen, die sich noch schwärzer in dem klaren Wasser spiegeln. Darüber breitet sich das Hochgebirge der bayrischen Alpen und wieder über dem Ganzen in dunstiger Ferne und silbrigem Schimmer der gewaltige Wetterstein mit den „Dreitorspitzen“ und rechts im Winkel mit dem König der Berge: mit der Zugspitze oder mit „dem Zugspitz“, wie mein Freund Guschtav Schwabemayer selig diesen Berg zu nennen beliebte.

[...]

Wunderschön ist der Walchensee, wenn der Himmel schön ist, aber unheimlich, wenn die Naturgewalten toben. Wenn die Steinlawinen von den Bergspitzen herunterrollen und die stärksten Bäume wie Streichhölzer knicken, kennzeichnen sie die Spur ihres Unheils in grauenvoller Verwüstung bis in den See hinein. Es ist keine Seltenheit, derartige Naturkatastrophen zu erleben. (Zit. aus: Lovis Corinth: Am Walchensee 1921. In: Ders.: Die Bilder vom Walchensee. Vision und Realität, bearbeitet von Werner Timm mit Beiträgen von Wilhelmine Corinth-Klopfer und Hans-Jürgen Imiela, Bremen 1986, S. 23f.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Tworek, Elisabeth (2011): Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 43, S. 249.



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