Karl Marx / Oberpfälzer Litera-Tour

Seit 1874 fuhr Karl Marx (1818-1883), von einem Galle-Leber-Leiden geplagt, zur Kur nach Karlsbad. Von einem „Reiseabenteuer“ schreibt der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus in seinem Brief aus Karlsbad an Friedrich Engels vom 19. August 1876.

Im Bahnhof Nürnberg erfuhr Karl Marx, der mit seiner Tochter Eleanor, genannt Tussy, unterwegs war, „…die Karlsbad nächstgelegene Stadt, wohin wir noch transportiert werden könnten, sei Weiden“ und so nahmen sie „Tickets für Weiden“. Die beiden Reisenden erleben auf ihrer Fahrt einen heißen August, „wo es seit sechs Wochen nicht geregnet hat“. Karl Marx irrt durch Weiden und harrt „auf den harten Stühlen der Eisenbahnstation bis 4 Uhr morgens“ aus. Um die Nacht zu verkürzen, besteigt der Privatgelehrte Dr. Marx mit seiner Tochter schließlich einen Güterzug, der auch Personen befördert. Mit langen Aufenthalten an jeder Station kamen sie schließlich über Wiesau, Waldsassen und Umsteigen in Eger nach Karlsbad.

Karl Marx hatte sich bis zu dieser Fahrt nie in Bayern aufgehalten. Nürnberg, die Hochburg der Sozialdemokratie, sollte 1876 der gewünschte „Rastplatz“ sein, Weiden wurde es unfreiwillig…


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

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Karl Marx, Heliogravur um 1880/1890 (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung).