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07.01.2026, 17:11 Uhr
Amalia Rohrer
Spektakula

Zum Jubiläum des Literatur und Kultur Radio Hörbahn

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© Literatur Radio Hörbahn / Carl Engleitner

Ende November 2025 feierte das Literatur Radio Hörbahn seinen 10. Geburtstag im Konferenzzentrum der Hanns-Seidel-Stiftung in München. Voll gedeckte Büffettische und eine eigene Ausstellung mit Bildern der Künstlerin Marlisa Thumm erwarteten die Gäste und Gratulanten vor dem Saal. Das fröhliche Stimmengewirr, die Gespräche über ferne Länder, neue Projekte und erreichte Ziele ließen den Eindruck eines Klassentreffens entstehen. Liebevolle Reden und persönliche Grußwörter, digital sowie vor Ort, lobten jedoch in erster Linie den unermüdlichen Arbeitsenthusiasmus des Gründers Uwe Kullnick. 

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Alle, die es noch nicht wussten, erfahren an diesem Nachmittag von Uwe Kullnicks beruflicher Laufbahn als promovierter Biologe und seiner ehrenamtlichen Arbeit für sein Herzensprojekt, das Literatur Radio Hörbahn. Das Radio und seine vielfältigen und informativen Inhalte bauen, wie die vielen Redner immer wieder hervorheben, auf Uwe Kullnicks unermüdlichem Wissensdurst und Arbeitswillen auf. Auf seiner Fähigkeit die richtigen Fragen zu stellen, selbst bei Themen, von denen er (noch) nicht viel weiß, und einer andauernden Faszination für das Neue. 

Über die Bedeutung und echte demokratische Wirksamkeit des Radios klärt die erste Sprecherin, die Rechtsanwältin, Schriftstellerin und Herausgeberin Dr. Nadja Kobler-Ringler auf. Interessant – und aus eigener Erfahrung zu bestätigen – ist, dass das Vertrauen in Informationen, die via Radio konsumiert werden, hoch ist und weiter wächst: Radio bildet Meinung. Darin liegt also auch der „Public Value“ des Privatradios, wie auch das Literatur Radio Hörbahn eines ist. Hier können sich die Hörerinnen und Hörer eine zweite Meinung einholen und damit ihre eigene differenzierter bilden. 

Die Meilensteine des Radios

In einem Interview auf der Bühne spricht im Anschluss Dr. Matthias Pöhlmann mit Uwe Kullnick über die Entwicklung dieses ganz speziellen meinungsbildenden Radios der letzten zehn Jahre. Die Meilensteine, von der Gründung in Zusammenarbeit mit Arwed Vogel über den ersten großen Auftritt des Radios bei der Leipziger Buchmesse 2015 und die Inhalte der Histothek on Stage in Kooperation mit der Gerda Henkel Stiftung und dem C.H. Beck Verlag, werden gewürdigt. Gespräche mit Autorinnen und Autoren sowie Historikerinnen und Historikern über ihre Bücher gewähren einen tiefen Einblick in einen Wissensschatz, den Literatur wie Menschen repräsentieren. In jüngster Zeit war das Literatur Radio an der Langen Nacht der Demokratie 2024 beteiligt und die Audiofassung der Verfassung wurde in Angriff genommen. Auch Schulen und der „Verfassungsviertelstunde“ soll dies als Ressource zugutekommen. Erweitert wird das Repertoire des Radios um literarische und sachbezogene Beiträge zur Zeit des Nationalsozialismus. Bei einer solchen Fülle an Themen und Disziplinen überrascht Kullnick niemanden mit seiner Aussage, dass all seine Erfahrung mit dem Radio für ihn eigentlich ein einziges Studium Generale sei.

Weitere Reden und Grußbotschaften erzählen von der Geschichte und Wirkung des Radios: Prof. Dr. Klaus Wolf, Universität Augsburg, bezeichnet Uwe Kullnick als Pionier der Digital Humanities und Thomas Endl, Verleger der Edition Tingeltangel, hebt die Bedeutung des Radios für kleine Verlage „abseits vom Mainstream“ hervor.

Und jetzt auch noch Musik

Die eigentlich stolze Stimmung wird durch eine Kostprobe der Musik von Doc U bei Radio Liberton, dem neuen Musikteil des Radios, etwas auf die Probe gestellt. Die jüngste Faszination Kullnicks ist nämlich KI-generierte Musik, mit Gesang und allem Drumherum. Was Einigen beim ersten Hinhören vielleicht gar nicht auffällt und dann nach der Erklärung zunächst skeptisch macht, erklärt Uwe Kullnick mit echter Hingabe. Nach seiner Aussage eröffnet ihm die Künstliche Intelligenz ganz neue Möglichkeiten. Gedanken und Überlegungen, emotionale und relevante Themen in musikalischer Form auszudrücken, war ihm zuvor nicht möglich. Mit diesem neuen Werkzeug kann er neue kreative Ausdrucksformen für sich zugänglich machen und die Erzeugnisse mit der Welt teilen. Die Lieder sprechen von und stehen für Demokratie und Frieden in einer immer radikaler werdenden Welt. Für Uwe Kullnick ist Musik eine Möglichkeit, Menschen wirklich zu erreichen, zu ihnen durchzudringen. Die Musik soll nicht im Verstand verarbeitet werden, sondern im Herzen ankommen. Der Song, den das Publikum zu hören bekommt, heißt Tattoo“ und das Klatschen fällt nach diesem Stück nicht leicht. Und doch lohnt sich das Anhören, besonders um zu verstehen, was mit Musik ausgedrückt werden und welche Rolle sie bei der Vermittlung von historischer und politischer Bildung spielen kann. Und auch um zu verstehen, woher Uwe Kullnicks Enthusiasmus für KI-generierte Musik kommt.

Mehr Kultur für das Literatur Radio 

Mit ebensoviel Emotion holt Ingvild Richardsen die Gäste dann noch ein letztes Mal zurück und erläutert die Idee und Umsetzung der Namenserweiterung des Literatur Radios um den Zusatz „Kultur“. Besonders ein Projekt liegt ihr am Herzen: die Gespräche, die sie und Uwe Kullnick mit dem kürzlich verstorbenen Kunsthistoriker Graham Dry führten. All das Wissen, das dieser weltweit führende Jugendstil-Experte bisher unzugänglich bewahrte, kann jetzt von allen angehört werden. Und diesem Vermächtnis wird nun auch der neue Name „Literatur und Kultur Radio Hörbahn“ gerecht.

Es bleibt die Einladung, sich auch einmal auf die „Hörbahn“ zu begeben und den kostenlosen und werbefreien Schätzen des „Literatur und Kultur Radios“ zu lauschen, sich zusammen mit Uwe Kullnick auf eine Entdeckungsreise zu begeben und dabei Demokratie, Kultur und Literatur zu (er)leben.