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„Deutschlands Dichter“: Karikatur im Simplicissimus um 1900. (c) Bayerische Staatsbibliothek/Bildarchiv

München, Marienplatz 13: Café Perzel

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Das Café Perzel um 1907 (c) Archiv Monacensia

Das Gastronomen-Ehepaar Anton und Theres Perzel eröffnete 1859 das Café Perzel am Marienplatz 13. 1906 übernahm Ludwig Walz das Café, 1917 richtete er dort eine Volkssängerbühne ein, auf der „Die Krähwinkler“ – Hans Blädel und Karl Flemisch – große Erfolge feierten. Zu den Stammgästen des Cafés gehörte der Schriftsteller und bayerische Ministerpräsident Kurt Eisner. Zwischen 1921 und 1930 wurde das Café in ein Weinlokal umgewandelt, 1931 als Café Perzel wiedereröffnet. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute befindet sich dort das 1954 eröffnete Kaufhaus Ludwig Beck.

Der aus Düsseldorf stammende Schriftsteller Franz Held, einer der Wegbereiter der Dada-Bewegung, schildert in seiner Münchner Skizze Auf dem Marienplatz einen „Parade-Tag“:

Schon ein halbes Stündchen flanierten die Studenten, Akademiker und sonstigen Privatiers auf dem Trottoir vor den engen Schlupfpforten der vielstöckigen, schräggegiebelten Häuser, dem neuen stolzgotischen Rathaus gegenüber. An der leicht vorgewölbten Front gegenüber dem Café Perzel, neben dem dämmrigen, gedrückten Tordurchgang unter den schwarzgelb gestreiften Spitztürmen des alten Rathauses, machte der gemalte Christophorus im Schein der Frühlingssonne sein liebenswürdigstes Schafsgesicht. [...] Schäumende Maßkrüge wurden übers Trottoir getragen, noch zahlreicher jetzt, wie zu andern Stunden. Denn es war ja Mittagszeit. Vorwitzig zeigte sich wohl gar schon eine Kaffeetasse auf einem kleinen Tablett, zaghaft wie ein erstes Maiglöckl, aus der Gassenschenke des Café Perzel.

(Franz Held: Auf dem Marienplatz, zit. nach Schmitz, Walter [Hg.]: Die Münchner Moderne, a.a.O., S. 193)

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Überqueren Sie den Marienplatz. Auf der anderen Seite des Platzes verläuft links neben dem Rathaus die Weinstraße. Direkt am Rathauseck befindet sich die nächste Station, Weinstraße 1.


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Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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