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Fotografie einer Zeichnung, Dezember 1959 (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung)

Alte Manggasse 3: Nicht an den Ufern des geliebten Stroms

Seinen eigenen Worten im Jahrbuch der deutschen Dichtung (1932) zufolge wird Georg Britting „auf einer Donauinsel in Regensburg als Sohn eines städtischen technischen Beamten geboren. Von Schulsorgen abgesehen, verbrachte ich eine glückliche Jugend an den Ufern des geliebten Stroms“. Brittings tatsächliches Geburtshaus liegt vom Donaustrom allerdings etwas entfernt, nämlich in der Alten Manggasse 3, wo er am 17. Februar 1891 geboren wird. Die Eltern von Georg Britting sind Josef Britting, ein städtischer Beamter, der es schafft, sich vom Schumacher und Maurer zum Geometergehilfen und schließlich zum Katasterzeichner hochzuarbeiten, und seine Frau Maria Britting, geborene Peither. An Alex Wetzlar, einen guten Freund, schreibt Britting in einem Brief:

Von Neukirchen – Balbini in der Nähe von Neunburg vorm Wald, stammt meine Mutter her. Eines Baders Tochter, aber der Bader war ein halber Studierter. Chirurgus heißt er in den Papieren, die ich wegen des Ahnennachweises sammeln musste.

Die Eltern der Mutter besucht der junge Britting im Sommer häufig. In der Geschichte Das Baderhaus findet sich eine Hommage an den verehrten Großvater:

Mein Großvater wurde im Jahre 1813 geboren – das ist nun schon so lange her; ein ganzes Jahrhundert und fast noch ein halbes dazu, aber ich habe ihn noch gekannt. Sein Geburtsort ist ein großes Dorf im Bayerischen Wald. Als er geboren wurde, fürchtete man dort noch die Wölfe, die von Böhmen herüberkamen in den kalten Winternächten und hungrig heulten. […] Sein Vater war Bader, wie es dessen Vater und Großvater auch gewesen, und das Baderhaus hieß darum das Haus, in dem er um Mitternacht auf die Welt kam, um auch Bader zu werden. […] Ich habe das Baderhaus, das auch meiner Mutter Geburtshaus ist, später aufgesucht, zweimal, in zwei Jahren hintereinander: da war ich vierzehn Jahre alt, und fünfzehn dann.

Brittings Großvater und Vater (c) Georg-Britting-Stiftung

Angesprochen auf seine zwei Geburtshäuser – das tatsächliche in der Alten Manggasse und das Haus auf der Donauinsel in der Lieblstraße, von dem Britting erzählt, er sei dort geboren – meint der Dichter:

Ob ich in dem Hollweckhaus geboren wurde, ist nicht so wichtig, jedenfalls verbrachte ich meine allererste Kinderzeit am Oberen Wörth. […] mir genügt es, dass ich immer donaunah gewohnt habe – aber wer kann das in Regensburg nicht von sich sagen?

Bald nach Georg Brittings Geburt verlässt die Familie die Altstadt, um im Oberen Wöhrd, in der Lieblstraße 17, ein Haus zu beziehen. In einem Brief vom 21. Januar 1958 an Herrman Seyboth, einen Münchner Freund, erinnert sich Britting an dieses Haus seiner Kindheit und den Vermieter: „Sein Name stand auf einem ovalen biedermeierlichen Porzellanschild, das Schild sah ich noch vor ein paar Jahren. Das Nebenhaus, in der Richtung der Steineren Brücke gehörte dem Schreinermeister Gruber, dem ich oft beim Hobeln zusah“. An diesem ideellen Geburtshaus Brittings findet sich heute eine Gedenktafel für den berühmten Sohn Regensburg.

 


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Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Anna Keil

Externe Links:

Hermann Seyboth über „Die Geburtshäuser von Georg Britting“ (PDF)

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