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17.10.2012, 16:20 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [18]: Über Hasen- und andere Jagden

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Nicht nur im "Struwwelpeter" herrschen manchmal verkehrte Verhältnisse

In meinem siebten Blogeintrag habe ich das Bild einer Katze platziert, konkret: einen Jean-Paul-Fensterscheibenspruch vor einer Dose mit einem Katzenporträt – und nun spielt eine schnurrende Katze eine temporäre Hauptrolle im Theaterstück des erfundenen Lebens. Das Spiel entscheidet sich auf eigene Weise, ein „katzen-terminus medius“ sorgt, kurz vor Schluss, für die „Erlösung“. Zeit für den Autor, wieder zu reflektieren: über die Tricks der „Weiber“, die ihre Männer in diversen Garnen einfangen. Der Kommentator fragt sich, wo der Dichter diese genau spezifizierten Begriffe her hat: das Männergarn (nebenbei: das Grimmsche Wörterbuch bringt hier als einzigen Beleg diese Stelle), Hasen-, Steck-, Spiegel-, Nacht- und Hänggarn.

Zeit auch, wieder auf sich selbst hinzuweisen. Das Einbein – also der erfundene Jean Paul – gibt vor, gleichzeitig mit dem Schreiben des Romans – einen zu spielen. Will er bald heiraten? Wir wissen, dass Jean Paul sich – gemäß dem bekannten Motto „Verliebe dich häufig, verlobe dich selten, heirate nie“ – immerhin mehrmals ver- und entlobte, bis er schlussendlich zehn Jahre später „die Treppe zum Ehebett bestieg“. Noch übt er sich in Witzen: da geht es um den „Ehe-Petz“, vor dem man sich ohnmächtig stellen muss, um nicht von ihm – besser: von ihr – gefressen zu werden. Nur erfährt der Leser nicht wirklich, ob er – der Autor, der Erzähler oder Jean Paul oder das Einbein namens „Jean Paul“- von einem „gefügigen gedrängten Geschöpf“ erwischt werden oder ob er darauf verzichten will, die „klügste Ehefrau“ auf Knien zu sehen. Er bleibt  mehrdeutig, man muss das mehrmals lesen – um es denn doch misszuverstehen. Vermutlich muss das so sein: denn blanke Eindeutigkeit wäre dem Leben, das der Dichter gerade erfindet, ebenso wenig angemessen wie das Leben selbst gelegentlich eine katzenhafte Mehrdeutigkeit besitzt, die man nicht immer als glücklich – oder unglücklich – bezeichnen muss.



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