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Gehard Polt erhält den Kulturellen Ehrenpreis Münchens 2019

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© Mario Riener
Der Kabarettist Gerhard Polt wird für sein Lebenswerk mit dem Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt München ausgezeichnet. Der Kulturelle Ehrenpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird jährlich an eine Persönlichkeit von internationaler Ausstrahlung mit engem Bezug zu München für ihre kulturellen beziehungsweise wissenschaftlichen Leistungen vergeben. Die Preisträgerinnen und Preisträger der letzten Jahre waren Dieter Hildebrandt, Senta Berger, Jürgen Habermas, Uwe Timm, Werner Herzog, Herlinde Koelbl, Klaus Doldinger, Günter Rohrbach und zuletzt Antje Kunstmann.

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Jurybegründung
 
Gerhard Polt gehört zu München wie das Oktoberfest, die Frauenkirche oder der Viktualienmarkt. Ja, mittlerweile wirkt es fast, als sei er immer schon dagewesen, und viele seiner Sätze sind in den Alltagsgebrauch übergegangen. Dabei ist seine Komik bei all ihrer absurden Drastik meist so hintergründig, dass einer der Juroren für den Kulturellen Ehrenpreis im diesjährigen Auswahlgespräch mehrfach darauf pochte, Polt sei gar kein Kabarettist, sondern „einer der größten Philosophen, die wir haben“.
 
Gerhard Polt wurde 1942 in München geboren, studierte  Skandinavistik und Altgermanisch (er spricht fließend Schwedisch und Italienisch) und arbeitete anfangs als Übersetzer, Lehrer und Dolmetscher. Seine Karriere als Komiker begann er mit dem Hörspiel Als wenn man ein Dachs wär‘ in seinem Bau. Schon diese Nummer aus dem Jahr 1976 belegt sowohl sein enormes schauspielerisches Talent als auch sein Gespür für Themen: Durch die Luxussanierung einer Immobilie in der Amalienstraße werden alteingesessene Mieter vertrieben. Polt spricht die 30 verschiedenen Personen so  charakteristisch, dass man sie alle beim Hören ohne Mühe auseinanderhalten kann – und heute wirkt das Ganze wie eine hellsichtige Mahnung vor dem allgegenwärtigen Gentrifizierungswahn.
 
Gemeinsam mit der „Biermösl Blosn“ schrieb Polt an den Münchner Kammerspielen Theatergeschichte. Man denke nur an Stücke wie Diridari und Tschurangrati, die im Nachhinein wie eine Art bavarisierte Parallelaktion zu Helmut Dietls Filmen aus jener Zeit wirken. Entdeckt für die Bühne hatte ihn zuvor schon Jörg Hube, der ihn 1978 ahnungslos bat, in seiner „Kleinen Nachtrevue“ einfach nur stumm neben der Bühne einen Schweinebraten zu essen. Polt machte das dermaßen auratisch, genussvoll und lustig, dass Hube sich später nur ächzend an Polts „monströse Bühnenpräsenz“ erinnerte, gegen die er zunehmend verzweifelt anspielen musste.
 
Einem größeren Publikum wurde Polt dann durch seine Fernsehserie Fast wia im richtigen Leben, einem noch größeren dann durch seine Kinofilme Kehraus und Man spricht deutsch bekannt.
 
Es wäre verkürzt, in Polt nur den Anarchokomiker und Alltagsphilosophen zu sehen. Spätestens seit er 1979 den damaligen bayerischen Innenminister Friedrich Zimmermann angriff, ist er eine der wichtigsten politischen Stimmen in diesem Land. Das ZDF kürzte damals Polts Manuskript um kritische Passagen. Ein Jahr später revanchierte sich Polt, indem er bei der Verleihung des Deutschen Kleinkunstpreises, der vom ZDF übertragen wurde, so eisern wie kunstvoll schwieg. Er selbst freilich würde zu solch feierlichen Lorbeerkranzsätzen nur „Ah, geh“ sagen. Was ihn ja auch wieder auszeichnet.

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Der Jury unter dem Vorsitz von Stadtrat Richard Quaas (CSU-Fraktion) in Vertretung des Oberbürgermeisters gehörten an: Prof. Hans-Jürgen Drescher (Bayer. Theaterakademie August Everding), Antje Kunstmann (Preisträgerin 2018, Kunstmann Verlag), Alex Rühle (Süddeutsche Zeitung), Nina Hümpel (DANCE), Felicitas von Lovenberg (Piper Verlag), Dr. Angelika Nollert (Die Neue Deutsche Sammlung) sowie Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers und aus dem Stadtrat Walter Zöller (CSU-Fraktion), Klaus Peter Rupp und Christian Vorländer (SPD-Fraktion) und Sabine Krieger (Die Grünen – rosa Liste).

Der Preis wird im März 2020 durch Oberbürgermeister Dieter Reiter im Rahmen einer geschlossenen Feier überreicht.
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