Adalbert Stifter: „Der Nachsommer“

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llustration zu: Adalbert Stifter: Der Nachsommer. Eine Erzählung. Pesth, G. Heckenast, 1857.

Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.

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Manuskript, 21,6 x 14,2 cm; Cgm 8072/1, Bl. 53r

1964 erwarb die Bayerische Staatsbibliothek auf einer Auktion in Hamburg aus dem Nachlass des Verlegers Salman Schocken 14 eigenhändige Manuskripte Adalbert Stifters (1805-1868) und wurde damit zur Einrichtung mit dem umfangreichsten Bestand an handschriftlichen Quellen des Schriftstellers. Weitere Quellen befinden sich in der Prager Nationalbibliothek, im Stifterhaus in Linz sowie in der Fondation Martin Bodmer in Genf. Im Einzelnen sind in der Handschriftenabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek folgende Stücke vorhanden: Die Druckvorlage für alle sieben Novellen der Bände 4 bis 6 der 1844-1850 erschienenen Studien: „Abdias“, „Das alte Siegel“, „Brigitta“, „Der Hagestolz“, „Der Waldsteig“, „Zwei Schwestern“ und „Der Beschriebene Tännling“, außerdem die Druckvorlagen für die beiden Bände der Bunten Steine (erschienen 1853) mit den Novellen „Granit“, „Kalkstein“, „Turmalin“, „Bergkristall“, „Katzensilber“ und „Bergmilch“ sowie für die 1857 erschienene dreibändige Erstausgabe des Bildungsromans Nachsommer. Dazu kommen noch über 60 einzelne Manuskriptblätter, ein autobiographisches Manuskript, 23 Briefe von Stifter sowie die meisten Erstausgaben seiner Werke. Alle Dokumente sind digitalisiert und können im Internet in den Digitalen Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek eingesehen werden. 

© Archiv Bayerische Staatsbibliothek

Wie kompliziert die Edition dieser Texte im Rahmen der historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters ist, lässt sich gut an dieser Manuskriptseite aus den Bunten Steinen zeigen. An diesem Blatt wird die Arbeitsweise des Schriftstellers deutlich, die durch ein akribisches Feilen an seinen Texten und beständiges Umarbeiten und Streichen sowie Ergänzungen in millimetergroßen Buchstaben an den Rändern geprägt war: „Autoren vom Schlage Adalbert Stifters sind der Schrecken der Editoren“, schreibt zurecht Walter Hettche, der von 1992-1997 die Gesamtausgabe, deren Redaktion seit 1986 bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Kommission für Neuere deutsche Literatur) angesiedelt ist, betreute und einige Bände (u.a. die Bunten Steine) selbst herausgab. Stifter gab sich alle Mühe, die verworfenen Stellen mit Balken, Kringel und Kreisel unleserlich zu machen, da es sich bei diesem stark überarbeiteten Manuskript um die „Reinschrift“ und damit um die Druckvorlage für den Setzer, der unter keinen Umständen Gestrichenes und damit Verworfenes setzen sollte, handelte. Wie kompliziert und an manchen Stellen auch unmöglich es ist, diese Streichungen wieder lesbar zu machen, wird an diesem Blatt besonders deutlich. Eine hochaufgelöste digitale Fassung, die ein tiefes Hineinzoomen in den Text erlaubt, ist für diese Entzifferungsarbeit der Handschriften Stifters, deren Ergebnis für die literaturwissenschaftliche Forschung viele neue Fragestellungen ermöglicht, von großem Vorteil.

Sekundärliteratur:

Hettche, W. (1994): „... die lezte Ausfeile ist das feinste, und bedingt die Schönheit allein.“ Stifters Arbeit an den „Bunten Steinen“ und ihre Dokumentation in der Historisch-Kritischen Gesamtausgabe. In: Adalbert Stifters schrecklich schöne Welt. Beiträge des internationalen Kolloquiums zur A. Stifter-Ausstellung (Universität Antwerpen 1993). Brüssel, S. 77-85. 

John, J. (2009): Linz, München, Prag und andere Orte. Die historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe Adalbert Stifters. In: Akademie aktuell 3, S. 34-36.