Logen-Blog [18]: Über Hasen- und andere Jagden
Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.
In meinem siebten Blogeintrag habe ich das Bild einer Katze platziert, konkret: einen Jean-Paul-Fensterscheibenspruch vor einer Dose mit einem Katzenporträt – und nun spielt eine schnurrende Katze eine temporäre Hauptrolle im Theaterstück des erfundenen Lebens. Das Spiel entscheidet sich auf eigene Weise, ein „katzen-terminus medius“ sorgt, kurz vor Schluss, für die „Erlösung“. Zeit für den Autor, wieder zu reflektieren: über die Tricks der „Weiber“, die ihre Männer in diversen Garnen einfangen. Der Kommentator fragt sich, wo der Dichter diese genau spezifizierten Begriffe her hat: das Männergarn (nebenbei: das Grimmsche Wörterbuch bringt hier als einzigen Beleg diese Stelle), Hasen-, Steck-, Spiegel-, Nacht- und Hänggarn.
Zeit auch, wieder auf sich selbst hinzuweisen. Das Einbein – also der erfundene Jean Paul – gibt vor, gleichzeitig mit dem Schreiben des Romans – einen zu spielen. Will er bald heiraten? Wir wissen, dass Jean Paul sich – gemäß dem bekannten Motto „Verliebe dich häufig, verlobe dich selten, heirate nie“ – immerhin mehrmals ver- und entlobte, bis er schlussendlich zehn Jahre später „die Treppe zum Ehebett bestieg“. Noch übt er sich in Witzen: da geht es um den „Ehe-Petz“, vor dem man sich ohnmächtig stellen muss, um nicht von ihm – besser: von ihr – gefressen zu werden. Nur erfährt der Leser nicht wirklich, ob er – der Autor, der Erzähler oder Jean Paul oder das Einbein namens „Jean Paul“- von einem „gefügigen gedrängten Geschöpf“ erwischt werden oder ob er darauf verzichten will, die „klügste Ehefrau“ auf Knien zu sehen. Er bleibt mehrdeutig, man muss das mehrmals lesen – um es denn doch misszuverstehen. Vermutlich muss das so sein: denn blanke Eindeutigkeit wäre dem Leben, das der Dichter gerade erfindet, ebenso wenig angemessen wie das Leben selbst gelegentlich eine katzenhafte Mehrdeutigkeit besitzt, die man nicht immer als glücklich – oder unglücklich – bezeichnen muss.
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.
In meinem siebten Blogeintrag habe ich das Bild einer Katze platziert, konkret: einen Jean-Paul-Fensterscheibenspruch vor einer Dose mit einem Katzenporträt – und nun spielt eine schnurrende Katze eine temporäre Hauptrolle im Theaterstück des erfundenen Lebens. Das Spiel entscheidet sich auf eigene Weise, ein „katzen-terminus medius“ sorgt, kurz vor Schluss, für die „Erlösung“. Zeit für den Autor, wieder zu reflektieren: über die Tricks der „Weiber“, die ihre Männer in diversen Garnen einfangen. Der Kommentator fragt sich, wo der Dichter diese genau spezifizierten Begriffe her hat: das Männergarn (nebenbei: das Grimmsche Wörterbuch bringt hier als einzigen Beleg diese Stelle), Hasen-, Steck-, Spiegel-, Nacht- und Hänggarn.
Zeit auch, wieder auf sich selbst hinzuweisen. Das Einbein – also der erfundene Jean Paul – gibt vor, gleichzeitig mit dem Schreiben des Romans – einen zu spielen. Will er bald heiraten? Wir wissen, dass Jean Paul sich – gemäß dem bekannten Motto „Verliebe dich häufig, verlobe dich selten, heirate nie“ – immerhin mehrmals ver- und entlobte, bis er schlussendlich zehn Jahre später „die Treppe zum Ehebett bestieg“. Noch übt er sich in Witzen: da geht es um den „Ehe-Petz“, vor dem man sich ohnmächtig stellen muss, um nicht von ihm – besser: von ihr – gefressen zu werden. Nur erfährt der Leser nicht wirklich, ob er – der Autor, der Erzähler oder Jean Paul oder das Einbein namens „Jean Paul“- von einem „gefügigen gedrängten Geschöpf“ erwischt werden oder ob er darauf verzichten will, die „klügste Ehefrau“ auf Knien zu sehen. Er bleibt mehrdeutig, man muss das mehrmals lesen – um es denn doch misszuverstehen. Vermutlich muss das so sein: denn blanke Eindeutigkeit wäre dem Leben, das der Dichter gerade erfindet, ebenso wenig angemessen wie das Leben selbst gelegentlich eine katzenhafte Mehrdeutigkeit besitzt, die man nicht immer als glücklich – oder unglücklich – bezeichnen muss.
