Konvolut
Konvolut verwandelt Lesungen in Klangräume, in denen Texte, Musik und Improvisation zu einem einzigartigen Live-Erlebnis verschmelzen. Die (derzeit) letzte Lesung findet 2024 statt.
Geschichte
Ein innerer Film, der sich vor den eigenen Augen abspielt, Empfindungen, Klänge, Farben. All das kann einen erfassen, liest man ein gutes Buch. Man wird durch den Text in eine andere Welt versetzt und vergisst manchmal sogar die Buchstaben, die man gerade mit den Augen aufnimmt. Man ist völlig vertieft. Diese Erfahrung hat vermutlich schon jeder einmal gemacht. Wohnt man allerdings Lesungen bei, kommen diese Empfindungen oft nicht zustande. Natürlich nicht immer, aber manchmal geht man enttäuscht nach Hause, mit dem Gefühl, dass die Lesung dem Text nicht gerecht wurde. Man muss sich eingestehen: Man langweilte sich.
Die Schauspielerin Katharina Neudorfer und der Musiker Kilian Kemmer machen sich eines Tages genau darüber Gedanken. Wie ist es möglich, auch während einer Lesung dem Vorstellungsvermögen der Zuhörer Ausdruck zu verleihen, den inneren Film aufleben zu lassen? Der Schlüssel ist schließlich die Musik. Die beiden Künstler beginnen, im privaten Kreis Krimi-Texte als Hörstücke zu rezitieren. Texte, die durch Klavierspiel und die Möglichkeiten der Stimme eine besondere Atmosphäre aufbauen. Sie merken, dass die Verbindung von Klängen und Sprache mehr aus den Texten hervorholen kann, als sie ursprünglich für möglich hielten. Die Krimi-Hörspiele finden Begeisterung, die Presse berichtet. Bald werden ein- bis zweimal im Monat solche noch eher halböffentlichen Abende abgehalten.
Ein Jahr später schließt sich ein weiterer Freund mit Band-Vergangenheit dem Projekt an, das nun den Namen Konvolut trägt. Erik Weingarten kann den Texten durch die Verwendung von Synthesizern und weiteren elektronischen Musikerzeugern eine noch traumartigere Atmosphäre verleihen. Anders als das Klavier, das feste Töne in den Raum wirft, erzeugen Weingartens Klangteppiche einen eher wabernden, hintergründigen Gefühlston, der die Texte wellenartig unterstützt und auch das Unterbewusstsein der Zuhörer anspricht.
Je mehr Publikum das Trio anzieht, desto schwieriger wird es, immer neue Texte zu finden, die sich eignen. Die Gruppe spricht jetzt gezielt Autorinnen und Autoren aus dem Münchner Raum an, und so ergibt sich eine Reihe von direkten Kooperationen, u.a. mit Fridolin Schley, mit dem Konvolut ein ganzes Album aufnimmt. Als auch noch der Autor Marco Böhlandt mit seinen Texten gewonnen wird, stellt sich heraus, dass dieser zudem ein hervorragender Trompeter ist. 2016 tritt die Gruppe bei der renommierten Hörgang-Lesenacht erstmals zu viert auf.
Konvolut steht für ein Ganzes aus Verschiedenem. Die Besetzung wie auch die Interpretationen sind deshalb beweglich. In loser Folge stoßen immer wieder neue Autoren dazu, die zusammen mit dem Kernteam ihre Texte inszenieren. Nimmt man als Zuhörer an einem Live-Abend der Künstler teil, erhält man immer eine ganz individuelle Vorstellung. Denn die Lesungen der Texte und die musikalischen Klänge entstehen großteils im und für den Augenblick. Es gibt in der Regel keine Aufzeichnungen, keine Tonträger, keine Spielpläne. Sogar die Lesungen ein und desselben Textes unterscheiden sich stets ein wenig voneinander, so dass jeder Abend einzigartig bleibt.
Am häufigsten sind es Stadtgeschichten, die auf diese Weise erzählt werden. Denn genauso beweglich, wie Konvolut agiert, so vielseitig kann auch eine Stadt sein, in deren stetem Vibrieren zusammen- und durcheinanderfließende Vielfalt entsteht. Die Konvolut-Künstlerinnen und Künstler widmen auch dem Thema Flucht eine Plattform. Unter dem Namen
Drift – Flüchtige Texte treffen Erfahrungsberichte von Geflüchteten auf fiktionale Umsetzungen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern und Exilliteratur auf schreibende Exilantinnen und Exilanten. Innerhalb dieses Projekts wurden auch vier vertonte Texte aufgezeichnet und online gestellt: Inszenierungen von Texten der Schriftsteller Marco Böhlandt, Fridolin Schley und Denijen Pauljević.
Es entsteht auch das Klangkörperkombinat Ironie & List. Das lose zusammengestellte Trio, das bisher die Begleitmusik der Literaturpräsentationen arrangiert hat, tritt nun losgelöst vom Text alleine auf. Die Musik von Ironie & List ist eine Mischung aus Elektronik, Jazz und Postrock. Zwölf Stücke werden eingespielt.
Konvolut verwandelt Lesungen in Klangräume, in denen Texte, Musik und Improvisation zu einem einzigartigen Live-Erlebnis verschmelzen. Die (derzeit) letzte Lesung findet 2024 statt.
Geschichte
Ein innerer Film, der sich vor den eigenen Augen abspielt, Empfindungen, Klänge, Farben. All das kann einen erfassen, liest man ein gutes Buch. Man wird durch den Text in eine andere Welt versetzt und vergisst manchmal sogar die Buchstaben, die man gerade mit den Augen aufnimmt. Man ist völlig vertieft. Diese Erfahrung hat vermutlich schon jeder einmal gemacht. Wohnt man allerdings Lesungen bei, kommen diese Empfindungen oft nicht zustande. Natürlich nicht immer, aber manchmal geht man enttäuscht nach Hause, mit dem Gefühl, dass die Lesung dem Text nicht gerecht wurde. Man muss sich eingestehen: Man langweilte sich.
Die Schauspielerin Katharina Neudorfer und der Musiker Kilian Kemmer machen sich eines Tages genau darüber Gedanken. Wie ist es möglich, auch während einer Lesung dem Vorstellungsvermögen der Zuhörer Ausdruck zu verleihen, den inneren Film aufleben zu lassen? Der Schlüssel ist schließlich die Musik. Die beiden Künstler beginnen, im privaten Kreis Krimi-Texte als Hörstücke zu rezitieren. Texte, die durch Klavierspiel und die Möglichkeiten der Stimme eine besondere Atmosphäre aufbauen. Sie merken, dass die Verbindung von Klängen und Sprache mehr aus den Texten hervorholen kann, als sie ursprünglich für möglich hielten. Die Krimi-Hörspiele finden Begeisterung, die Presse berichtet. Bald werden ein- bis zweimal im Monat solche noch eher halböffentlichen Abende abgehalten.
Ein Jahr später schließt sich ein weiterer Freund mit Band-Vergangenheit dem Projekt an, das nun den Namen Konvolut trägt. Erik Weingarten kann den Texten durch die Verwendung von Synthesizern und weiteren elektronischen Musikerzeugern eine noch traumartigere Atmosphäre verleihen. Anders als das Klavier, das feste Töne in den Raum wirft, erzeugen Weingartens Klangteppiche einen eher wabernden, hintergründigen Gefühlston, der die Texte wellenartig unterstützt und auch das Unterbewusstsein der Zuhörer anspricht.
Je mehr Publikum das Trio anzieht, desto schwieriger wird es, immer neue Texte zu finden, die sich eignen. Die Gruppe spricht jetzt gezielt Autorinnen und Autoren aus dem Münchner Raum an, und so ergibt sich eine Reihe von direkten Kooperationen, u.a. mit Fridolin Schley, mit dem Konvolut ein ganzes Album aufnimmt. Als auch noch der Autor Marco Böhlandt mit seinen Texten gewonnen wird, stellt sich heraus, dass dieser zudem ein hervorragender Trompeter ist. 2016 tritt die Gruppe bei der renommierten Hörgang-Lesenacht erstmals zu viert auf.
Konvolut steht für ein Ganzes aus Verschiedenem. Die Besetzung wie auch die Interpretationen sind deshalb beweglich. In loser Folge stoßen immer wieder neue Autoren dazu, die zusammen mit dem Kernteam ihre Texte inszenieren. Nimmt man als Zuhörer an einem Live-Abend der Künstler teil, erhält man immer eine ganz individuelle Vorstellung. Denn die Lesungen der Texte und die musikalischen Klänge entstehen großteils im und für den Augenblick. Es gibt in der Regel keine Aufzeichnungen, keine Tonträger, keine Spielpläne. Sogar die Lesungen ein und desselben Textes unterscheiden sich stets ein wenig voneinander, so dass jeder Abend einzigartig bleibt.
Am häufigsten sind es Stadtgeschichten, die auf diese Weise erzählt werden. Denn genauso beweglich, wie Konvolut agiert, so vielseitig kann auch eine Stadt sein, in deren stetem Vibrieren zusammen- und durcheinanderfließende Vielfalt entsteht. Die Konvolut-Künstlerinnen und Künstler widmen auch dem Thema Flucht eine Plattform. Unter dem Namen
Drift – Flüchtige Texte treffen Erfahrungsberichte von Geflüchteten auf fiktionale Umsetzungen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern und Exilliteratur auf schreibende Exilantinnen und Exilanten. Innerhalb dieses Projekts wurden auch vier vertonte Texte aufgezeichnet und online gestellt: Inszenierungen von Texten der Schriftsteller Marco Böhlandt, Fridolin Schley und Denijen Pauljević.
Es entsteht auch das Klangkörperkombinat Ironie & List. Das lose zusammengestellte Trio, das bisher die Begleitmusik der Literaturpräsentationen arrangiert hat, tritt nun losgelöst vom Text alleine auf. Die Musik von Ironie & List ist eine Mischung aus Elektronik, Jazz und Postrock. Zwölf Stücke werden eingespielt.
Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Marlena Simmet