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06.08.2026, 09:04 Uhr
Redaktion
Die KI und wir

KI und Kulturarbeit an der Schwabenakademie Irsee

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David Statue. Erstellt mit ChatGPT/Open AI

Zur Reihe: Über kaum eine technologische Errungenschaft wird so viel geredet und gestritten wie über KI, die Künstliche Intelligenz in Form von ChatGPT und anderen, sich immer rasanter entwickelnden Tools. Ihre einschneidenden Auswirkungen auf unsere Gesellschaft werden sowohl als innovativ und arbeitsentlastend begrüßt als auch in ihren sozialen und arbeitsmarktgefährdenden Aspekten kritisch hinterfragt. Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen für die Kunst- und Literaturschaffenden in Bayern? Inwiefern wirkt sich KI auf ihre Arbeits- und Lebensbedingungen aus? Welche Erkenntnisse lassen sich gewinnen?   

Das folgende schriftliche Kurzinterview über die Frage, wie kommunale Kulturinstitutionen mit KI umgehen, führte Andrea Heuser für das Literaturportal mit Dr. Nadja Hendriks, Studienleiterin der Schwabenakademie Irsee. 

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LITERATURPORTAL BAYERN: Liebe Frau Hendriks, das Arbeiten mit KI ist eine große Herausforderung für die Arbeitswelt. Wie sieht es damit grundsätzlich in Ihrem Tätigkeitsfeld aus? Inwiefern hat sich die Schwabenakademie Irsee durch den Einsatz von KI verändert?

DR. NADJA HENDRIKS: In der Schwabenakademie Irsee verändert beziehungsweise ergänzt das Thema Künstliche Intelligenz vor allem unser bisheriges Programmportfolio. Die Schwabenakademie Irsee gehört zur Familie der Volkshochschulen und entwickelt halbjährlich ein vielfältiges Kultur- und Bildungsprogramm. Da wir bei unserem Bildungsangebot auch gesellschaftliche Trends und Herausforderungen behandeln möchten, begegnet uns KI dadurch natürlich auch im Rahmen unserer Wochenendseminare. Etwa Ende November mit einem Seminar zum Thema „KI verstehen – Chancen erkennen, sicher entscheiden“. Dieses Seminar ist als niedrigschwelliger Einstieg in das Thema KI gedacht und richtet sich an diejenigen, die bisher noch keine großen Berührungspunkte mit Künstlicher Intelligenz hatten, gegebenenfalls auch Skepsis verspüren und einfach einmal ausprobieren möchten und erfahren möchten, wie ein sicherer und verantwortungsvoller Umgang mit KI gelingen kann. 
In unseren Arbeitsabläufen in der Schwabenakademie spielt KI aktuell noch keine große Rolle, denn der Schutz der z.T. sensiblen Daten aus den Kursen hat für uns Priorität. Das bedeutet, dass wir KI-Tools aktuell nur vereinzelt zur Bildgenerierung, beispielsweise für Kurse, einsetzen, bei denen wir kein passendes Bildmaterial zur Verfügung haben oder zur Unterstützung für ein erstes Brainstorming zu einer neuen Seminaridee.

LPB: Das klingt nach einem bedachten Umgang mit KI. Wo sehen Sie persönlich neue Möglichkeiten, aber auch Gefahren im Bereich der Kulturvermittlung?

HENDRIKS: Die Möglichkeiten von KI sehe ich vor allem in der Unterstützung von Routineabläufen. Da KI als Sprachmodell mit großen Datensätzen viel schneller arbeiten kann als der Mensch, kann Künstliche Intelligenz sicherlich dazu beitragen, hier Abläufe zu beschleunigen. Gleichzeitig gilt es hier aber auch, den Schutz von sensiblen Daten zu gewährleisten. Eine weitere Herausforderung in der Kulturvermittlung ist aber auch die Fülle an Tools und vor allem die Frage, innerhalb welchen rechtlichen Rahmens der Einsatz dieser neuen Technologien möglich ist. Genau hierzu liefert die Tagung „Künstliche Intelligenz und Kulturarbeit“ wertvollen, praxisnahen Input für Kulturschaffende. 

LPB: Im September wird diese Tagung zum Thema „Künstliche Intelligenz und Kulturarbeit“ an der Schwabenakademie Irsee stattfinden. Was erhoffen Sie sich von der Tagung und für wen ist sie gedacht?

HENDRIKS: Die Tagung „Künstliche Intelligenz und Kulturarbeit“ wird vom Bezirk Schwaben und der Schwabenakademie Irsee gemeinsam ausgerichtet und macht die konkreten Auswirkungen der KI-Technologie auf kommunale Akteure zum Thema. Dies ist im Besonderen auch ein Anliegen des Kulturbeauftragten des Bezirkes, Edgar Rölz, der gemeinsam mit Dr. Stefan Raueiser, dem Geschäftsleiter der Schwabenakademie Irsee Interessierte herzlich zur Tagung am 21. September in Kloster Irsee einlädt. Es geht darum, wie Verwaltungen & kommunale Kulturinstitutionen mit KI umgehen können, welche Potenziale sich für den Arbeitsalltag bieten und welche Möglichkeiten sich im Bereich der Kulturvermittlung und des Kulturmarketings bieten. Gleichzeitig stehen auch Herausforderungen und Grenzen im Fokus und die Frage, wie ein verantwortungsvoller Einsatz von KI-Tools in der Praxis gelingen kann. Die Tagesveranstaltung wechselt dabei zwischen verschiedenen Formaten (Keynotes mit Fachinput, Workshops zur Praxisanwendung und eine abschließende Podiumsdiskussion, die die Ergebnisse des Tages zusammenträgt.) 
Die Hauptzielgruppe sind Kulturschaffende im Bereich der öffentlichen Verwaltungen, aber auch ehrenamtlich-tätige Personen, die etwa in Vereinen Kulturarbeit voranbringen. 

LPB: Das klingt spannend! Wenn ich mich für die Tagung anmelden möchte: Wie sieht dafür die Vorbereitung aus? Reicht ein offenes interessiertes Ohr oder gibt es Voraussetzungen?

HENDRIKS: Die Tagung „Künstliche Intelligenz und Kulturarbeit“ steht allen Interessierten offen. Wir setzen kein Wissen voraus. Unsere Hauptzielgruppe sind kommunale Akteure im Kulturbereich, aber auch ehrenamtlich Tätige aus der Kulturszene. Die einzige Voraussetzung, die es zu beachten gilt, ist, sich rechtzeitig bis zum 1. September anzumelden. Das geht ganz einfach über die Website der Schwabenakademie www.schwabenakademie.de oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

LPB: Kulturarbeit heute denkt ja immer auch die Zukunft mit. 2037 – ein kleiner Prognosesprung in die Zukunft: was sehen Sie da vor sich?

HENDRIKS: Gerade in einer sich so schnell verändernden Zeit wie jetzt ist ein Blick 10 Jahre in die Zukunft natürlich ein Spiel mit der Glaskugel. Ich denke aber, dass uns das Thema Künstliche Intelligenz sicherlich 2037 noch stärker begleiten wird als heute. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass Kulturarbeit auch 2037 noch den Menschen ins Zentrum stellt und einen wichtigen Anker für Dialog und Zusammenhalt bildet.

LPB: Was würden Sie sich denn am Meisten wünschen für den Kulturbetrieb im Allgemeinen und die Region Schwaben im Besonderen?

HENDRIKS: Ich wünsche mir einen Kulturbetrieb, der langfristig abgesichert ist und sowohl etablierte Institutionen als auch die freie Szene stärkt. Kultur sollte für alle Menschen leicht zugänglich sein und als wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Zusammenhalts wahrgenommen und wertgeschätzt werden. 

LPB: Ja, die Bedeutung von Kultur als wesentliche Form der Teilhabe für alle Menschen wird einem im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz tatsächlich noch einmal ganz besonders bewusst. Nun ist der Einsatz von KI im Arbeitsumfeld zwar gesellschaftlich eine gemeinsame Herausforderung, aber natürlich gibt es regionale Besonderheiten und Unterschiede. Wie wirkt sich der Einsatz von KI ganz konkret in Ihrer Region, auf die kommunalen Akteure in Schwaben aus? Gibt es regional-spezifische Besonderheiten, die Sie hier möglicherweise beobachten?

HENDRIKS: Bisher sind die konkreten Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf kommunale Akteure in Schwaben, so unser Eindruck, nur in Ansätzen erkennbar. Genau hier setzt die Tagung zu „Künstliche Intelligenz und Kulturarbeit“ an. Sie bietet fachlichen Input, Praxisimpulse in Workshopformaten und soll darüber hinaus auch die Möglichkeit bieten, dass Kulturschaffende im Rahmen der Tagesveranstaltung ins Gespräch kommen, um sich über diese zentrale Frage der konkreten Auswirkungen austauschen zu können. 

LPB: Abschließend eine Frage jenseits von KI: Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am Meisten?

HENDRIKS: An meiner Arbeit gefällt mit besonders die Vielfältigkeit. Mit unseren Kursen und Tagungen decken wir ein weites Feld von Philosophie über Kunst, Gesundheit bis hin zu gesellschaftlich relevanten Themen wie etwa Künstliche Intelligenz ab. Das schöne an der Arbeit im Bildungs- und Kulturbereich ist, dass man selbst immer ein Stück mitlernen darf. Das empfinde ich als großes Geschenk. 

LPB: Vielen Dank für das erhellende Gespräch.