Info
Geb.: 21. 9.1859 in Hellingen
Gest.: 27.3.1925 in Hellingen

Edmund Stubenrauch

Edmund Stubenrauch wird als Sohn eines Bauern in Hellingen, Amt Königsberg, einer in Unterfranken gelegenen Enklave des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha geboren. Nach dem Besuch des Coburger Gymnasiums 1872-75 kehrt er zum elterlichen Hof zurück und wird seinerseits Bauer – eine Tätigkeit, die ihn bis zu seiner Krankheit im Jahr 1898 begleitet. Seinen Alltag beschreibt Stubenrauch so: „Am Tage lief ich dem Pflugschar nach, hob die Hacke und schwang die Sense; die Abende und Feierstunden waren der Muse geweiht.“ Sein späterer Versuch (1890), als Korrespondent und Korrektor in einem Berliner Depeschenbüro Fuß zu fassen, scheitert indessen bereits nach wenigen Monaten.

Schon seit Jugendzeit zeigt Stubenrauch dichterische Fertigkeiten, die er auch publik werden lässt. So veröffentlicht er nach einem Ritterspiel (Kuno von Altenstein) seit 1876 Gedichte, zunächst in der Schweinfurter und Würzburger Lokalpresse, später auch in literarischen Blättern wie dem Deutschen Dichterfreund, Kassel, dem Deutschen Dichterheim oder den St. Galler Blättern. 1877 tritt Stubenrauch dem Infanterie-Regiment Nr. 32 als Freiwilliger bei. Aus dieser Zeit stammt seine erste selbständige Veröffentlichung, der Soldatenliederzyklus Muskete und Feder. Fliegende Blätter aus dem Friedens-Liedertornister eines preußischen Freiwilligen (1880).

Mit dem bei Bremen lebenden und auch im Münchner Dichterkreis um Heyse und Geibel bekannten „Marschendichter“, Dichterbauern, Reiseschriftsteller und Volkspädagogen Hermann Allmers (1821-1902) verbindet Edmund Stubenrauch eine schicksalshafte Freundschaft, die sich neben einem ausgedehnten Briefwechsel in gegenseitigen Besuchen und ideellen und materiellen Förderungen von Stubenrauchs Dichtkunst niederschlägt. 1893 veröffentlicht Stubenrauch die sog. Herzoglieder anlässlich des Todes seines fürstlichen Gönners Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha. Dessen Nachfolger Herzog Alfred verleiht dem Dichter schließlich die große Silbermedaille des Herzogtums „für besondere Verdienste um Kunst und Wissenschaft“. Zwei Jahre später, 1895, folgen Stubenrauchs gesammelte Gedichte u.d.T. Pflug und Laute, gewidmet seinem Freund Hermann Allmers. Aus diesem Band stammt u.a. das Gedicht „Ich bin ein Franke“:

Ich throne nicht auf hohem Schloß
Bei goldenen Pokalen,
hab‘ keinen frechen Dienertroß
mit blankem Gold zu zahlen;
Ich reite nicht auf stolzem Roß,
doch stolz ist mein Gedanke,
treu ist mein Herz
in Freud‘ und Schmerz
Ich bin ein Franke! […]

Die Gedichtsammlung ist so erfolgreich, dass Edmund Stubenrauch 1896 der Schillerpreis der Deutschen Schillerstiftung verliehen wird. Dadurch ermuntert arbeitet er an einem Wanderbuch für den fränkischen Haßgau – aus dem u.a. auch sein berühmter Dichtervorfahre Friedrich Rückert stammt –, das 1901 u.d.T. Der Haßgau erscheint. Die letzten Lebensjahrzehnte 1898-1923 verbringt Stubenrauch in geistiger Umnachtung in der Heil- und Pflegeanstalt Hildburghausen. Zwei Jahre vor seinem Tod kehrt er zu seiner Familie nach Hellingen zurück. Auf dem dortigen Friedhof erinnert noch heute ein Gedenkstein an ihn.

 

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Bormann, Hans-Ernst (1984): 25 Jahre lebendig begraben. Das Schicksal des Heimatdichters und Haßgausängers Edmund Stubenrauch aus Hellingen in Franken, damals Amt Königsberg, in der Enklave vom Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha. Dokumentation. Selbstverlag des Hg., Königsberg.


Externe Links:

Literatur von Edmund Stubenrauch im BVB

Literatur über Edmund Stubenrauch im BVB

Edmund Stubenrauch in der BLO

Edmund Stubenrauch im Deutschen Textarchiv

Artikel zu Edmund Stubenrauch von Kurt Mühlhäußer

Hermann Allmers im Kulturportal Nordwest

Kommentar schreiben