Info
Geburtsjahr: 1548
in Dillingen
Todesjahr: 1628 in Augsburg
Gretser, Jacob; Distelmeyer, Cleophas: Sendschreiben von dem falschen Historigedicht deß Jesuiter Ordens, von Elia Hasenmüller erstlich beschriben, nachmals durch Polycarpum Leyser unverschämbter Weiß in Truck außgesprengt, Ingolstatt, 1594 [BSB, Sign.: 4 Polem. 291#Beibd.4]
Namensvarianten: Cleophas Distelmayer, Distelmeyer

Cleophas Distelmayr

Der um 1548 in Dillingen an der Donau geborene Cleophas Distelmayr ist Mitglied der Gesellschaft Jesu und wird Vikar und Zeremoniar des Stifts Unserer lieben Frau in Augsburg. Später lebt er in Ingolstadt. Distelmayr ist selbst kein Jesuit, steht aber mit diesen in Verbindung und kämpft für die Ziele der Gegenreformation. Er stirbt in Augsburg 1628.

Als Kaplan am Augsburger Domstift übersetzt er den Euripus, ein Stück über einen verführten Jüngling des Antwerpener Minoritenbruders Levinus Brechtus (1502/03-1560), ins Deutsche und lässt ihn 1582 nach erfolgreicher Aufführung drucken: Euripus. Ein schöne andächtige und christliche Tragödia, über die Wort Matth. 7. Geht hin durch die enge Porten, dann die Port ist weit, und der Weg brait, der das fürt zu den Verderben, und vil sein, so den durch ziehen [...].

Der unbeständige Jüngling Euripus, der seine Begleiter Gottesfurcht und Gnadenzeit fortschickt und den breiten Weg ins Verderben geht, wird nach der Mitte des 16. Jahrhunderts zum beliebtesten Stück des Jesuitentheaters und erlebt vor zahlreichen Zuschauermassen eindrucksvolle Aufführungen in Wien, Prag, Innsbruck, München, Cordoba u.a. Der schnörkellose Handlungsverlauf, ein extrem lehrhafter Beispielcharakter und sein religiöser Rigorismus lassen ihn in eine Reihe mit den Jedermann-, Hecastus- und Homulus-Dramen stellen (vgl. Fidel Rädle, S. 523).

Weiters haben sich von Distelmayr Ain schöne andächtige Tragoedia Von der heyligen Junckfrawen und Martyrin Barbara (1585) erhalten, eine Apologia, oder Rettungsschrifft für die lobwürdig Societet Jesu, wider Polycarpi Leisers falsch erdichtete Histori des Jesuiter Ordens (1594), Erbauungsbücher wie die Wall- vnd Bilgerfarth Der aller seeligsten Jungkfrawen vnnd Mutter Gottes Marie (1596) sowie Icones Sanctorum in singulos anni dies cum elogiis et indice chronologico (1610).

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Deutsches Literatur Lexikon (DLL). Biographisch-bibliographisches Handbuch. Begründet von Wilhelm Kosch, fortgeführt von Carl Ludwig Lang. 3., völlig neu bearb. Aufl. 1968ff. Ca. 33 Bde. und 6 Ergänzungsbde. Bd. 3. Bern und Zürich, S. 318.

Pörnbacher, Karl (2002): Schwäbische Literaturgeschichte. Tausend Jahre Literatur aus Bayerisch Schwaben. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn, S. 119 und 197.

Rädle, Fidel (Hg.) (1979): Lateinische Ordensdramen des XVI. Jahrhunderts mit deutschen Übersetzungen (Ausgaben deutscher Literatur des XV. bis XVIII. Jahrhunderts, Reihe Drama VI). De Gruyter, Berlin/New York, S. 545ff.


Externe Links:

Literatur von Cleophas Distelmayr im BVB

Cleophas Distelmeyer im Münchener DigitalisierungsZentrum

Cleophas Distelmayr im Augsburger Stadtlexikon

Kommentar schreiben
Verwandte Inhalte