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Geb.: 22.10.1942 in Königsberg
Gest.: 18.1.2015 in Höchberg

Wolfgang Gabel

Wolfgang Gabel wird 1942 in Königsberg geboren. Er wächst dort, in Halle und in Freiburg im Breisgau auf. Nach dem vierjährigen Besuch eines Jesuiteninternats absolviert er seine Mittlere Reife und sein Abitur am Abendgymnasium. Danach arbeitet er als Volontär bei einer Zeitung und studiert Publizistik.

Hauptberuflich ist er als freier Mitarbeiter bei Funk, Fernsehen, Zeitungen und Jugendbuchverlagen tätig. 1963 veröffentlicht er erste Werke in Lyrik und Prosa. Hierzu gründet er eine Werkstatt für Schreiber, aus der der Werkkreis Marburg hervorgeht.

Wolfgang Gabel verändert die Kinder- und Jugendbuchliteratur Ende der 1960er-/ Anfang 1970er-Jahre. Er greift individuelle und gesellschaftliche Konflikte auf und gestaltet sie erzählerisch anspruchsvoll. Zu seinen Werken zählen: Orte außerhalb (1972), eine Erzählung über Heimerziehung; Valentins Traum (1975), die Geschichte eines behinderten Jungen; die Erzählungen Der Anfang vom Ende (1976), Katastrophenübung (1983), Der Aufstieg der Familie Kohlbrenner (1987), Ab nach draußen (1990) und Fix und Fertig (1995), eine Erzählung über einen Drogensüchtigen; sowie Ende einer Strafzeit (1990), eine Erzählung über die mühsamen Schritte eines Neuanfangs eines ehemaligen Strafgefangenen. Die Bücher Aufstand im wilden Kurdistan (1978) und Venedig-Peking und zurück (1981) sind ebenfalls sozialkritische Romane, die sich nur zeitlich und räumlich von den übrigen Werken unterscheiden.

Angst und Isolation sind das wesentliche Merkmal, welches alle seine Figuren kennzeichnet. Durch Angst und Isolation fliehen viele Figuren aus scheinbar intakten Familien oder Heimen. Hier scheinen materielle Werte mehr zu wiegen als zwischenmenschliche Kontakte. Die Figuren ziehen sich in eine Traumwelt zurück. Wie in Valentins Traum (1975) kann dies zur Verkennung der Realität führen, oder, wie in Aufstieg der Kohlbrenner (1987), zum Wunsch einer besseren Realität. Ein großes Thema bei Wolfgang Gabel ist die Unfähigkeit miteinander zu sprechen und aufeinander zu hören. Dieses Thema wiegt für ihn mehr als Krankheit und Behinderung oder auch als die Flüchtlinge und Spätaussiedler, die in seinem Werk genauso vorkommen. Er thematisiert diesen Sachverhalt zudem in seinem Kinderbuch Bastian sucht das Zauberwort (1982). Sein Schreibstil bewirkt, dass sich Kinder und Jugendliche, die sich oftmals nicht verstanden fühlen, mit den Figuren identifizieren können. Wolfgang Gabel hat eine sehr intensive, von Bildern und Metaphern geprägte Sprache, was die Geschehnisse in seinem Werk näher und erlebbarer macht.

1976 wird Gabel mit dem Friedrich-Bödecker-Preis geehrt. Zwei Jahre später bekommt er den Sonderpreis des DGB, der Stadt Kelheim und des VS verliehen. 1981 wird er mit dem Kunstförderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

Der Autor lebt  bis zu seinem Tod am 18. Januar 2015 in Höchberg bei Würzburg.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Marie Kleber

Sekundärliteratur:

Gabel, Wolfgang. In Munzinger Online/KLG - Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, URL: http://www.munzinger.de/document/16000000168, (04.02.2020).


Externe Links:

Literatur von Wolfgang Gabel im BVB

Literatur über Wolfgang Gabel im BVB

Wolfgang Gabel in der Wikipedia

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