Info
Geb.: 8. 3.1879 in Schönburg
Gest.: 4. 6.1958 in London
Namensvarianten: Mechtilde Christiane Marie Gräfin von und zu Arco-Zinneberg (Taufname), Mechtilde Peto

Mechtilde Lichnowsky

Mechtilde Christiane Marie Lichnowsky wird am 8. März 1879 als drittes Kind des Grafen Maximilian von und zu Arco-Zinneberg und Olga Freiin von Werther auf Schloss Schönburg im Rottal in Niederbayern geboren. In der bayerischen Landeshauptstadt besitzt die Familie in der Barerstraße ein geräumiges Palais, wo sie die Wintermonate verbringt. Die Urururenkelin von Kaiserin Maria-Theresia erhält im Klosterinternat des Sacré Coeur-Ordens in Vorarlberg eine standesgemäße strenge Erziehung. Neben der französischen Sprache lernt sie dort auch Englisch. Die Zeit bei den Ordensschwestern verarbeitet sie später unter anderem in ihrem Roman Kindheit (1934).

Nach den Jahren im Mädcheninternat kehrt Mechtilde zurück nach München, wo sie in das Gesellschaftsleben eintritt. In den Kreisen des Münchner Hochadels fällt die junge Frau durch ihre Begabung und ihren Kunstverstand auf. Sie verlobt sich mit dem englischen Militärattaché Ralph Harding Peto, muss diese nicht standesgemäße Verbindung auf Drängen der Eltern jedoch 1901 wieder auflösen. 1904 heiratet sie den um 19 Jahre älteren Diplomaten Fürst Karl Max Lichnowksy. Aus der Ehe entstammen drei Kinder. Die Familie verbringt ihre Zeit auf den Schlössern Grätz und Kuchelna in Mährisch-Schlesien, die zu gesellschaftlichen und kulturellen Treffpunkten werden. Mechtilde Lichnowsky unterhält Freundschaften zu Hermann Graf Keyserling, Hugo von Hofmannsthal und Carl Sternheim; Annette Kolb und Wilhelm von Stauffenberg sind ihr noch aus ihrer Jugendzeit in München vertraut. Aus der Bekanntschaft zu Karl Kraus, dem sie bei der Vertonung von Texten von Johann Nestroy hilft, wird eine lebenslange Freundschaft.

Von 1912 bis 1914 lebt Mechtilde Lichnowsky an der Seite ihres Mannes in London, der dort als deutscher Botschafter in diplomatischen Diensten steht. In dieser Zeit beginnt die Fürstin ihre Schriftstellerlaufbahn mit der Veröffentlichung des Reisetagebuchs Götter, Könige und Tiere in Ägypten (1912). Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrt das Paar nach Deutschland zurück, als Kriegsgegner wird Fürst Lichnowsky mangelnder Patriotismus vorgeworfen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1928 zieht sich Mechtilde Lichnowsky an die französische Riviera zurück. In der Weimarer Republik ist sie inzwischen eine wohlbekannte Autorin, sie schreibt Feuilletons und Bücher, darunter Bestseller wie Rendezvous im Zoo (1927). In rascher Folge erscheinen u.a. die Romane An der Leine (1930), Kindheit (1934), Delaide (1935), Der Lauf der Asdur (1936). Durch ihre Weigerung, der Reichsschrifttumskammer beizutreten, erhält Mechtilde Lichnowsky 1936 Publikationsverbot. 1937 heiratet sie ihren Jugendfreund Peto, wird englische Staatsbürgerin und lebt in London. Bei einem Deutschlandbesuch 1939 wird sie unter Polizeikontrolle gestellt, die Ausreise nach England wird ihr verweigert. Erst nach Beendigung des Krieges kann sie Deutschland wieder verlassen. Ihren Mann, der 1945 stirbt, sieht sie nicht wieder.

Nach 1948 können einige ihrer Manuskripte, die das Dritte Reich überdauert haben, publiziert werden, darunter ihr sprachkritisches Buch Worte über Wörter (1949), das oft mit Victor Klemperers Lingua Tertiae Imperii verglichen wird.

1950 wird Mechtilde Lichnowsky zum Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur ernannt. Der Förderpreis Literatur der Stadt München folgt 1953. Anfang der 1950er-Jahre erscheinen auf dem deutschen Buchmarkt Neuauflagen ihrer Bücher. Ihren Lebensabend verbringt sie zurückgezogen, in bescheidenen Verhältnissen in London, nach München kehrt sie nicht mehr zurück. „Selbst eine Reise, geschweige denn eine Rückkehr nach Deutschland“ seien „unmöglich nach den Zeiten des Ungeistes [...].“ „Bis in die Seele“ hinein sei sie „verletzt“, entgegnet sie kurz vor ihrem Tod dem Journalisten Otto W. Bechtle. Mechtilde Lichnowsky stirbt am 4. Juni 1958 in London.

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Sylvia Schütz


Externe Links:

Literatur von Mechtilde von Lichnowsky im BVB

Literatur über Mechtilde von Lichnowsky im BVB

Mechtilde von Lichnowsky in der BLO

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