Info
Geb.: 16. 5.1906 in Berlin
Gest.: 15.2.2004 in München
Herbert Schlüter (rechts) und Giorgio Bassani bei "Philosophieren heute", März 1988 (Bayerische Staatsbibliothek/Timpe)
Namensvarianten: Hispanicus (Pseudonym)

Herbert Schlüter

Herbert Schlüter wird am 16. Mai 1906 als Sohn eines wohlhabenden Fabrikanten in Berlin geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters 1914 verliert die Familie das in Kriegsanleihen angelegte väterliche Vermögen. Herbert Schlüter muss mit der erlangten Obersekundareife das Gymnasium verlassen und eine Banklehre absolvieren. Eine Anstellung erhält er nach Abschluss der Lehre allerdings nicht. Schlüter ist ein leidenschaftlicher Leser, vor allem aber schreibt er erste Gedichte, die in der Zeitschrift Romantik veröffentlicht werden. Im Alter von 20 Jahren lernt er in Berlin den gleichaltrigen Klaus Mann kennen, der einige seiner Gedichte in die Anthologie jüngster Lyrik (1927) aufnimmt. Beide verbindet eine lebenslange Freundschaft, was ein Konvolut von Briefen aus den Jahren 1933 bis 1949 belegt.

Sein literarisches Debüt hat Herbert Schlüter beim angesehenen S. Fischer Verlag, Berlin. Der Verleger Berman Fischer stattet den jungen Dichter 1926 mit einem Vorschuss aus und schickt ihn nach Paris, um dort ein Buch über die Stadt zu schreiben. 1927 veröffentlicht der Verlag drei Erzählungen unter dem Titel Das späte Fest. Auf Empfehlung von Thomas Mann veröffentlicht der Transmare Verlag 1932 Herbert Schlüters ersten Roman Die Rückkehr der verlorenen Tochter. Das Manuskript zu seinem zweiten Roman Nach fünf Jahren, das den Arbeitstitel „Havelroman“ trägt, ist bereits fertig, als Herbert Schlüter unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 Deutschland verlässt. Er geht zunächst für ein halbes Jahr nach Paris und kehrt aus finanzieller Not sowie auf Bitten seiner Mutter und Schwester noch einmal zurück. Der Verlag S. Fischer hat inzwischen die Publikation des Romans Nach fünf Jahren endgültig als nicht mehr zeitgemäß abgelehnt. 1935 wählt Schlüter schließlich aus „Abscheu vor dem, was da aufkam“ endgültig das Exil, das er als touristische Reise tarnt. Über Zürich und Barcelona erreicht er das Fischerdorf Cala Ratjada auf Mallorca, wo bereits mehrere Literaten und Künstler im Exil leben, darunter der Schriftsteller und Literaturkritiker Franz Blei, der Maler Rudolf Levy und später auch der Kunstsammler und Schriftsteller Harry Graf Kessler.

Als sich die Garnison Mallorca nach dem Militärputsch unter General Franco 1936 zum Faschismus bekennt, flieht Schlüter über Fiume, Dalmatien, Montenegro, Albanien und Korfu nach Ischia. In dieser Zeit entsteht das Manuskript zu einem antifaschistischen Roman mit dem Titel Vor dem Krieg. Klaus Mann versucht vergeblich, den Roman an den Amsterdamer Exilverlag Allert de Lange zu vermitteln. In großer Geldnot wendet sich Herbert Schlüter an Mann, der regelmäßig Texte seines Freundes in seiner Exil-Zeitschrift Die Sammlung druckt. Dank einer Fürsprache von Thomas Mann erhält Herbert Schlüter 1938 finanzielle Unterstützung von Prinz Hubertus von Löwenstein, dem Gründer der American Guild for Cultural German Freedom in New York. 1941 lässt sich Schlüter in Florenz nieder, wo ihn die Einberufung zur Wehrmacht erreicht. Bis August 1943 arbeitet er in der sizilianischen Stadt Catania als Dolmetscher für die Luftwaffe. Schließlich erkrankt er an Malaria und kommt in ein Lazarett nach Deutschland. Im Mai 1945 gerät Schlüter in Kriegsgefangenschaft.

In der frühen Nachkriegszeit lässt sich Herbert Schlüter in München nieder. Hier erscheint 1947 der Roman Nach fünf Jahren im Willi Weismann Verlag. Herbert Schlüter arbeitet als Lektor für fremdsprachliche Bücher in verschiedenen Verlagen, u.a. bei Bertelsmann, Desch und Piper. Klaus Piper bietet ihm an, die Briefe aus Capri des italienischen Autors Mario Soldati neu zu übersetzen. Es ist der Beginn von Schlüters „zweiter literarischer Existenz“ als Übersetzer. Sein Schwerpunkt wird die italienische Gegenwartsliteratur. Insbesondere erwirbt er sich große Verdienste als kongenialer Übersetzer des Gesamtwerkes des aus Ferrara stammenden jüdischen Dichters Giorgio Bassani. Dessen in Deutschland wohl bekanntester Roman Die Gärten der Finzi Contini hat die gesellschaftliche Ausgrenzung und Verfolgung der Juden während des italienischen Faschismus zum Thema. Mehr als 100 Titel überträgt Herbert Schlüter ins Deutsche, darunter die ersten Romane der Krimiautoren Carlo Fruttero und Franco Lucentini. Auch um die angloamerikanische und zeitgenössische französische Literatur macht er sich als Übersetzer verdient, zu nennen sind Aldous Huxley, William Golding, Iris Murdoch und Romain Gary. Die Stadt München ehrt Herbert Schlüter im Jahr 2000 mit dem zum ersten Mal vergebenen Übersetzerpreis. Am 15. Februar 2004 stirbt Herbert Schlüter in München.

Verfasser: Monacensia. Literaturarchiv und Bibliothek / Sylvia Schütz

Sekundärliteratur:

Täubert, Klaus (2010): Zwillingsbrüder, Herbert Schlüter und Klaus Mann. In: Sinn und Form 62, H. 3, S. 359-369.


Externe Links:

Literatur von Herbert Schlüter im BVB

Literatur über Herbert Schlüter im BVB

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