Info
Geb.: 10. 8.1831 in München
abweichendes Datum: 10.8.1832
Gest.: 18.8.1892 in Frankfurt am Main
Namensvarianten: verh. Elise Levi

Elise Henle

Elise Henle wird als fünftes von sechs Kindern einer bekannten bayerisch-jüdischen Familie in München geboren. Ihr Vater Sensal Benedikt Henle ist Großhändler, Autor auf geographisch-chronometrischem Gebiet und Erfinder, ihre Mutter Theresia Henle, geb. Ottenheimer, gebürtige Stuttgarterin. Sie selbst ist die Nichte von Henriette Ottenheimer, einer Schriftstellerin, die mit bedeutenden Zeitgenossen (Ludwig Uhland, Friedrich Rückert, Michael Beer u.a.) in Verbindung steht.

Nach dem Mädchenpensionat in München heiratet Elise Henle knapp 22jährig den Sohn des Schmuckwarenfabrikanten Jakob Levi aus Esslingen Leopold Levi. Der Ehe entstammt eine gemeinsame Tochter. Trotz Haushalt und Erziehung findet Elise Henle genügend Zeit, um schriftstellerisch tätig zu werden. Als Frau des Hauses mit gesellschaftlichen Verpflichtungen schreibt sie ein in Reimform und in bayerischem Dialekt gehaltenes „Eh' Stands-Rezept“ (Was soll ich deklamieren. Den deutschen Mädchen und Frauen gewidmet, 1885), ein Kochbuch in oberbayerischer sowie schwäbischer Mundart (Guat is' s, 1884; So mag i' s, 1892) und bringt ihre Skepsis gegenüber der Frauenemanzipation in dem Gedicht „Zur Frauenfrage“ zum Ausdruck. Ihr eigentlicher Schwerpunkt liegt aber in der Abfassung von Lustspielen, dramatischen Stücken und Libretti zu den Opern Manon (1887, Musik: R. Kleinmichel), Murillo (1887, Musik: F. Langer) und Schloß de l' Orme (1883, Musik: R. Kleinmichel).

Die Stücke sind meist im Bürgertum, in Adelshäusern oder im Militär angesiedelt. Obwohl um 1870 verfasst, kommen sie erst spät in Buchform heraus, ganz im Gegensatz zu den frühen Erzählungen, wie Die Wacht am Rhein oder der Roman Das zweite Jägerbataillon, die zunächst anonym in Zeitschriften erscheinen. Hindernisse bei der Stuttgarter Aufführung des Lustspiels Aus Göthes lustigen Tagen 1876 werden Anlass zur Stoffwahl für Henles nächstes Stück Durch die Intendanz. Dieses Stück wird am 31. Oktober 1877 am Stadttheater Wien mit dem Ersten Preis prämiert. Von nun an gilt sie als „Verfasserin des Preislustspiels Durch die Intendanz“, ihre Stücke erfahren in und um Esslingen zahlreiche Aufführungen.

Ab 1881 wird es still um Elise Henle. Ihr Mann muss wegen wirtschaftlicher Rückschläge am 24. Juni desselben Jahres Konkurs anmelden. Bereits am 22. Mai zieht Elise Henle nach München zu ihrer Tochter. Sie schreibt weiter Bühnenstücke und Romane und kann damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Ihre Gedichtsammlungen, Deklamationsstücke ernsten und heiteren Inhalts, erscheinen in mehreren Bänden und Auflagen. Daneben verfasst sie Theaterbearbeitungen der Erzählungen Rosa von Tannenburg, Der Ring, Das Johanniskäferchen sowie Das Blumenkörbchen von Christoph von Schmid.

1889 wohnt Elise Henle in Frankfurt am Main bei ihrer verwitweten Schwester, wo sie auch stirbt. Auf dem dortigen jüdischen Friedhof wird sie begraben.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Gierhake, Ingrid (1996): Elise Henle, Theaterautorin. In: Frauenbeauftragte der Stadt Esslingen am Neckar (Hg.): Frauen Leben Geschichte. Ein Weg durch Esslingen. o.V., Esslingen, S. 93-101.


Externe Links:

Literatur von Elise Henle im BVB

Werke bei archive.org

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