Info
Geb.: 2. 5.1942 in Litzmannstadt (Łódź)
Gest.: 12.10.1999 in München

Udo Steinke

Udo Steinke wächst bei Leipzig auf, wo er nach Schule und Studium Verlagslektor wird. 1968 setzt er sich in die BRD ab und geht nach München. Dort nimmt er eine Reihe von Gelegenheitsjobs an, arbeitet als Musikredakteur, Werbeleiter eines kleinen Verlages sowie Schriftleiter der Lehrerzeitung Das Gymnasium in Bayern, bis er sich als freier Schriftsteller in Husum niederlässt.

Seine erste Erzählung Ich kannte Talmann erscheint 1978 im Jahrbuch für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Die Geschichte über den letzten Lokomotivführer der DDR, der seinen Protest gegen das Naziregime und gegen die Unfreiheit in der DDR durch penetrantes Schweigen ausdrückt, wird von verschiedenen Schriftstellern und Kritikern, darunter Heinrich Böll, Reiner Kunze und Wolf Biermann, hymnisch gefeiert.

Gegen das ausdrückliche Votum der Jury erhält Steinke zwei Jahre später vom bayerischen Kultusminister Hans Maier den mit 10000 Mark dotierten Bayerischen Literaturpreis. Von nun an stoßen seine Manuskripte bei den Verlagen auf ein breites Echo.

Im zynischen Ton und mit Seitenhieben auf die Neue Innerlichkeit setzt sich Steinke mit dem Leben und Überleben der Menschen in der Nazizeit und der DDR auseinander. In dem Roman Die Buggenraths (1981) schildert Steinke satirisch die gestörten Beziehungen eines Familienclans, in dem Roman Horsky, Leo oder Die Dankbarkeit der Mörder (1982) überlebt ein jüdischer Masseur den Holocaust dank seiner Fingerfertigkeit gegenüber den SS-Offizieren. Die im inneren Monolog gehaltene Romanze Mannsräuschlein von 1985 stellt dagegen Steinkes Erinnerung an die ehemaligen Geliebten beider deutscher Staaten und seine Hoffnung auf eine bessere Welt dar. Im gleichen Jahr werden auch Teile aus seinen Werken Talmann und Buggenraths im Münchner Off-Off-Theater „k“ szenisch uraufgeführt.

Seinen letzten Erfolg hat Steinke mit dem Roman Bauernfangen, eine Geschichte übers Hamstern und über zwischenmenschliche Verirrungen in der Nachkriegszeit. Der Umstand, dass mit der deutschen Wiedervereinigung ein wichtiger Themenschwerpunkt in Steinkes Werk verlorengeht, sowie sein jäher Tod lassen es in den folgenden Jahren still um ihn werden.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Peter Czoik

Sekundärliteratur:

Macher, Hannes S. (2004): Udo Steinke (2.5.1942 – 12.10.1999). Ein Meister „doppeldeutscher“ Fabulierkunst. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 335f.


Externe Links:

Literatur von Udo Steinke im BVB

Steinke-Institut in Bonn

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