Info
Geb.: 7. 5.1891 in Hof
Gest.: 18.2.1988 in Weiden
Namensvarianten: Toni Hölder

Anton Döhler

Anton Döhler wird in Hof geboren. Bereits mit 15 Jahren tritt er literarisch hervor und veröffentlicht eine erste eigene Erzählung in einer Gewerkschaftszeitung. Nach dem Ersten Weltkrieg wird Anton Döhler in Hof Lokalredakteur der sozialdemokratischen Oberfränkischen Volkszeitung, welche bis 1922 die Politik der USPD (= Partei des ersten republikanischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner) vertritt. Mitte der 1920er-Jahre setzt der wirtschaftliche Aufschwung ein, den die (wiedervereinigte) SPD-Publizistik mit Gründung der „Konzentration AG“ forciert. Unter dem Pseudonym „Toni Hölder“ ist Anton Döhler als Autor tätig. Drei Romane – darunter Die Frau ohne Mann (1929) – erscheinen zwischen 1927 und 1931 in 39 Tageszeitungen (von Augsburg bis Königsberg) als beliebte Fortsetzungsromane.

Am 10. März 1933 wird das Hofer Presseunternehmen auf Funkspruch des bayerischen Innenministeriums beschlagnahmt. Anton Döhler wird „als bekennender Sozialdemokrat“ verhaftet und für sechs Monate in „Schutzhaft“ genommen. Nach seiner Entlassung muss er dem Journalismus den Rücken kehren und arbeitet ab 1935 in der Schuhbranche.

Den Zweiten Weltkrieg erlebt Anton Döhler zuletzt in Konstanz. Aufgrund seiner journalistischen Vorbildung bietet ihm  US-Presse-Offizier der „Information Control Division“ (ICD) Ernest Langendorf (1907-1989) im Auftrag der amerikanischen Militärregierung für Bayern die Lizenz zur Mitherausgabe einer Zeitung an, um die demokratische Presselandschaft in Deutschland Stück für Stück wiederherzustellen. Zusammen mit dem aus Pommern stammenden Viktor von Gostomski (1908-1992), ebenfalls einem überzeugten NS-Gegner, schafft Anton Döhler in Weiden als Verleger und Chefredakteur eine solide Grundlage für die heutige Nordoberpfälzer Tageszeitung Der neue Tag. Am 31. Mai 1946 kann diese als 19. bayerische Lizenzzeitung von der Bevölkerung in und um Weiden gelesen werden.

Aus Anlass des 40. Gründungsjubiläums von Der neue Tag hält am 31. Mai 1986 im historischen Rathaus zu Weiden Professor Walter Höllerer, Gründungsmitglied der Gruppe 47 und des Literaturarchivs Sulzbach-Rosenberg, seine richtungsweisende „Weidener Rede – Mittelpunkt am Rand: Über Provinzialität und Einsichten in der Region“. Als Fazit hält er fest: „Provinz ist, was du daraus machst!“

Dr. Barbara Shanahan vor dem Porträt ihres Vaters Anton Döhler © privat

Nach dem Tode Anton Döhlers wird seine Tochter Dr. Barbara Shanahan Nachfolgerin an der Spitze des Medienhauses, zu dem heute auch der Buch & Kunstverlag Oberpfalz gehört.

Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (20074): Weiden in der Literaturgeographie. Eine Literaturgeschichte (Weidner Heimatkundliche Arbeiten Nr. 21). Pressath, S. 52.

Döhler, Anton (1979): Ein Leben für die Zeitung. In: Der neue Tag (Weiden i.d. OPf.), 24. Dezember.

Frei, Norbert (1980): Nationalsozialistische Eroberung der Provinzpresse. Gleichschaltung, Selbstanpassung und Resistenz in Bayern. Stuttgart, S. 119f.

Langendorf, Ernst (1986): Als die Rotationen wieder liefen. In: 40 Jahre im Dienste der Leser und der Wirtschaft Nordostbayerns. Der neue Tag, Amberger Zeitung, Sulzbach-Rosenberger Zeitung. Jubiläums-Zeitungsbeilage vom 31. Mai. Weiden i.d.OPf.

Lauth, Max (2013): Die Entwicklung der Oberpfälzer Tageszeitung „Der neue Tag“. In: Oberpfälzer Heimat 57 (Weiden i.d. OPf.), S. 25-46, bes. S. 30f.

Wagner, Hans; Koch, Ursula E.; Schmidt-Fischbach, Patricia (1990): Enzyklopädie der Bayerischen Tagespresse. München, S. 301.


Kommentar schreiben