Info
Geburtsjahr: 1975
in Berlin (Ost)
© Daniel Feistenauer
Wirkungsorte:
München

Ruth Herzberg

Ruth Herzberg, geboren 1975 in Berlin (Ost), ist eine deutsche Romanautorin, Künstlerin und Kolumnistin. In den Nullerjahren lebt sie mehrere Jahre in München und studiert dort an der Hochschule für Film und Fernsehen. Mittlerweile lebt sie wieder in Berlin, wo sie temporeich und lakonisch über Kunst, Sex und Beziehungen im 21. Jahrhundert schreibt.

Werdegang

Nach dem Fachabitur an der Odenwaldschule lebt und jobbt Ruth Herzberg in Berlin, bis sie 1999 an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf ihr Studium im Fach Drehbuch / Filmdramaturgie aufnimmt. Dieses unterbricht sie im Jahr 2000, um mit ihrem Mann nach München zu ziehen, wo auch der gemeinsame Sohn zur Welt kommt. Hier nimmt ihre literarische Laufbahn ihren Anfang. Sie besucht Seminare an der Hochschule für Film und Fernsehen und beginnt, belletristische Texte zu schreiben. 2004 kehrt sie mit ihrer Familie nach Berlin zurück. Dort setzt sie ihr Studium an der Filmuniversität fort und schließt dieses 2006 mit Diplom ab. Einige Jahre lang verdient sie ihren Lebensunterhalt bei einem Berliner Shoppingsender. Nebenbei bloggt sie, zeichnet und schreibt Kurzgeschichten. Außerdem liefert sie Reportagen, Interviews, Buchrezensionen, Theaterkritiken, Kolumnen und Porträts an verschiedene Tages- und Wochenzeitschriften. 2014 erscheint eine Sammlung ihrer Texte und Zeichnungen als E-Book beim unabhängigen Berliner Verlag mikrotext. Es folgen häufige Auftritte in der Berliner Lesebühnenszene. Schließlich wird sie festes Mitglied der Surfpoeten und trägt mindestens einmal pro Woche ihre Texte vor. 2019 verlässt sie die Surfpoeten und fokussiert sich auf das literarische Schreiben. Während der Corona-Pandemie erlangt sie Bekanntheit mit ihren täglich verfassten Blogtexten.

Wichtige Werke (Auswahl)

2020 erscheint Ruth Herzbergs Debütroman Wie man mit einem Mann unglücklich wird, dessen Titel an ihre Text- und Zeichnungssammlung Wie man mit einem Mann glücklich wird (2014) anknüpft. Es folgen drei weitere Publikationen – der Roman Die aktuelle Situation (2022), das grafische Werk Ruth Herzberg von A bis Z (2024) sowie ihr Roman Frequenzen (2026). Außerdem bringt sie im Selbstverlag ihre zwischen 2020 und 2022 entstandenen Corona-Tagebücher sowie die Textsammlung 30 Tage Microdosing (2021) heraus.

Stil / Rezeption

„[I]mmer gerade mitten im Satz und die nächsten Sätze drängeln schon in der Pipeline“ – was für die blitzverliebten Figuren in Frequenzen (2026) gilt, mag auch auf den Ton der Autorin zutreffen. Ruth Herzberg schreibt in ihren Werken über das Berlin der Gegenwart, in dem das Berlin der DDR weiteratmet, lässt ihre Figuren Sex haben und über Sex reden, Kunst analysieren und Kunst schaffen, über den Kulturbetrieb sinnieren und sich an ihm abarbeiten.

In Rezensionen finden ihre temporeiche Sprache, der lakonische, prägnante Stil ihrer Texte und der ihnen immanente Witz immer wieder Erwähnung. „[H]ochpointiert, atemlos“, nennt Andreas Merkel in der Süddeutschen Zeitung ihren Debütroman Wie man mit einem Mann unglücklich wird (2020) und bescheinigt der Autorin „schonungslosen Humor“. Es ist diese „grandios komische Lotter-Lakonie“, die laut Erik Heier (tipBerlin) auch Die aktuelle Situation (2022) kennzeichnet, einen Corona-Roman über eine alleinerziehende Mutter im Lockdown, der, so der Münchner Autor Max Scharnigg, für „den Alltags-Wahnsinn die richtigen Worte“ findet.

Doch hinter der Komik lauert oftmals die Tragik, und als sich zwischen diesen beiden Polen bewegend wird auch ihr Werk wahrgenommen: als „traurig, lustig“ (Jacinta Davis über Die aktuelle Situation). Bei allem Spaß blitzt das Existenzielle durch. Treffend heißt es dazu in Frequenzen an einer Stelle: „Das war gerade lustig, aber eigentlich ist gar nichts lustig.“ 

Tätigkeiten im literarischen Betrieb

Ruth Herzberg veröffentlicht literarische und journalistische Texte für deutsche Zeitungen und Zeitschriften (u.a. Berliner Zeitung, Der Freitag, Süddeutsche Zeitung und Welt). Außerdem ist sie Dozentin an der Filmschule Hamburg.

Verfasst von: Bayerische Staatsbibliothek / Sophia Lindsey


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