Michael Lentz
Michael Lentz wird 1964 in Düren geboren. Der promovierte Germanist und Experte für Lautpoesie erlangt 2001 mit dem Gewinn des Ingeborg-Bachmann-Preises für sein Werk Muttersterben große Anerkennung. Neben seiner Arbeit als Professor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig prägt er maßgeblich den literarischen Diskurs. Sein umfangreiches Werk reicht von experimenteller Lyrik bis hin zu großen Romanen wie Heimwärts (2024).
Werdegang
Michael Lentz wird 1964 als Sohn des Dürener Oberstadtdirektors geboren. Auf seiner Website findet sich unter dem Menüpunkt „Vita“ nur ein einziger Satz: „1964 in Birkesdorf geboren“. Er selbst äußert sich detaillierter: „Ich bin am 15. Mai 1964 gegen sechzehn Uhr im St. Marien-Hospital von Birkesdorf in Nordrhein-Westfalen geboren worden. Das zwischen Aachen und Köln liegende Birkesdorf wurde am 1. Januar 1972 im Rahmen einer kommunalen Gebietsreform der angrenzenden Kreisstadt Düren zugeordnet. In meinem Personalausweis steht ‚Geboren in Birkesdorf jetzt Düren.‘ Von der Geburt ist mir nichts in Erinnerung geblieben. Die Wörter ‚Steißlage‘ und ‚Kaiserschnitt‘, die meine Mutter mit ihr in Verbindung brachte, schienen mir früh in sich und im Zusammenhang widersprüchlich. Infolge der Folgen dieser Geburt bin ich jetzt hier, wofür ich mich ausdrücklich bedanke“. Nach dem Abitur am Stiftischen Gymnasium Düren studiert er Germanistik, Geschichte und Philosophie in Aachen, München und Siegen. 1999 wird er an der Universität Siegen mit der zweibändigen Dissertation Lautpoesie/-musik nach 1945. Eine kritisch-dokumentarische Bestandsaufnahme promoviert. Im Mai 2006 wird er als Professor auf den Lehrstuhl für Literarisches Schreiben des Deutschen Literaturinstituts Leipzig (Universität Leipzig) berufen, den er bis heute innehat.
Wichtige Werke (Auswahl)
Sein literarisches Werk umfasst Prosa, Lyrik, Hörspiele, Theaterstücke und Essays. Sein literarisches Debüt, den Lyrik- und Prosaband Zur Kenntnisnahme, publiziert er bereits 1985 anlässlich einer öffentlichen Lesung im Leopold-Hoesch-Museum in Düren. Seine Promotionsschrift Lautpoesie/-musik nach 1945 ist der erste Versuch einer kritischen Darstellung der lautpoetischen und -musikalischen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg und Grundlage für ein gleichnamiges zweibändiges Dokumentarwerk. 2001 erhält er für den Prosatext Muttersterben den Ingeborg-Bachmann-Preis. Gegenstand ist auch die Eifellandschaft, in die der Autor hineingeboren wird sowie das Leben in der Nachkriegszeit und die Atmosphäre in seinem Elternhaus. Sein 2024 erscheinender Roman Heimwärts knüpft an diese Themen an. Im selben Jahr publiziert Lentz mit Grönemeyer die erste umfassende Werkbiografie des Musikers Herbert Grönemeyer.
Stil/Rezeption
Der Autor schildert in Muttersterben eine Grenzerfahrung, den Tod der Mutter, auf scheinbar kühle Weise. Er ist auf der Suche nach einer Sprache in einer Sprache, die, so Sibylle Birrer, „immer schon alles enthält, Ernst und Spiel, Tradition und Innovation“. Martin Maurach führt im Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dazu aus: „Das in Klagenfurt preisgekrönte Titelstück und die ihm thematisch nahestehenden Arbeiten [...] enthalten weiterhin Hinweise auf fundamentale Sprachskepsis neben genauen Notierungen von überkommenen Phrasen und den Eigengesetzlichkeiten alltäglicher, oft gegen den Willen ihrer teils fiktiven Urheber komischer oder grotesker Redeverläufe“. Über den Roman Heimwärts schreibt Dirk Hohnsträter (NDR): „Es steckt voller genauer Erinnerungen, ist gesättigt mit detailreichen Beobachtungen und plastisch zur Sprache gebrachter Vergangenheit“. Berit Dießelkämper ergänzt in der ZEIT, dass der Roman von der „Gewaltgeschichte einer weitgehend unauffälligen und austauschbaren bundesdeutschen Kleinfamilie in den Nachkriegsjahren“ handelt: „Nur liegt das wirklich Grausame dieser Erzählung in ihrer Unaufgeregtheit, die niemanden anklagt – nicht einmal die Verhältnisse. Und in der Heimlichkeit, die niemals zu heilen scheint.“ Zu seiner Arbeit über Grönemeyer erklärt Lentz: „Herbert Grönemeyer vertont keine Texte, sondern vertextet Musik. Töne sagen und erzählen bereits etwas, oft schon das Wesentliche. Es entsteht eine Stimmung, ein Bild, eine atmosphärische Temperatur. Der Text erklärt dann, führt aus, ergänzt und passt sich an, indem er an formale Vorgaben wie Takt und Silbenzahl, Rhythmus und Zeiteinheiten gebunden ist.“
Preise & Auszeichnungen
1998 gewinnt Michal Lentz die deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft, 1999 den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur. 2001 wird ihm der Ingeborg-Bachmann-Preis für den Text Muttersterben verliehen. 2005 erfolgt die Verleihung des Preises der Literaturhäuser – nur eine von vielen Auszeichnungen, die er für sein Werk erhält.
Mitgliedschaften
Seit 2004 ist Michael Lentz Präsident der Freien Akademie der Künste zu Leipzig, seit 2014 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.
Externe Links:
Literatur von Michael Lentz im BVB
Michael Lentz wird 1964 in Düren geboren. Der promovierte Germanist und Experte für Lautpoesie erlangt 2001 mit dem Gewinn des Ingeborg-Bachmann-Preises für sein Werk Muttersterben große Anerkennung. Neben seiner Arbeit als Professor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig prägt er maßgeblich den literarischen Diskurs. Sein umfangreiches Werk reicht von experimenteller Lyrik bis hin zu großen Romanen wie Heimwärts (2024).
Werdegang
Michael Lentz wird 1964 als Sohn des Dürener Oberstadtdirektors geboren. Auf seiner Website findet sich unter dem Menüpunkt „Vita“ nur ein einziger Satz: „1964 in Birkesdorf geboren“. Er selbst äußert sich detaillierter: „Ich bin am 15. Mai 1964 gegen sechzehn Uhr im St. Marien-Hospital von Birkesdorf in Nordrhein-Westfalen geboren worden. Das zwischen Aachen und Köln liegende Birkesdorf wurde am 1. Januar 1972 im Rahmen einer kommunalen Gebietsreform der angrenzenden Kreisstadt Düren zugeordnet. In meinem Personalausweis steht ‚Geboren in Birkesdorf jetzt Düren.‘ Von der Geburt ist mir nichts in Erinnerung geblieben. Die Wörter ‚Steißlage‘ und ‚Kaiserschnitt‘, die meine Mutter mit ihr in Verbindung brachte, schienen mir früh in sich und im Zusammenhang widersprüchlich. Infolge der Folgen dieser Geburt bin ich jetzt hier, wofür ich mich ausdrücklich bedanke“. Nach dem Abitur am Stiftischen Gymnasium Düren studiert er Germanistik, Geschichte und Philosophie in Aachen, München und Siegen. 1999 wird er an der Universität Siegen mit der zweibändigen Dissertation Lautpoesie/-musik nach 1945. Eine kritisch-dokumentarische Bestandsaufnahme promoviert. Im Mai 2006 wird er als Professor auf den Lehrstuhl für Literarisches Schreiben des Deutschen Literaturinstituts Leipzig (Universität Leipzig) berufen, den er bis heute innehat.
Wichtige Werke (Auswahl)
Sein literarisches Werk umfasst Prosa, Lyrik, Hörspiele, Theaterstücke und Essays. Sein literarisches Debüt, den Lyrik- und Prosaband Zur Kenntnisnahme, publiziert er bereits 1985 anlässlich einer öffentlichen Lesung im Leopold-Hoesch-Museum in Düren. Seine Promotionsschrift Lautpoesie/-musik nach 1945 ist der erste Versuch einer kritischen Darstellung der lautpoetischen und -musikalischen Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg und Grundlage für ein gleichnamiges zweibändiges Dokumentarwerk. 2001 erhält er für den Prosatext Muttersterben den Ingeborg-Bachmann-Preis. Gegenstand ist auch die Eifellandschaft, in die der Autor hineingeboren wird sowie das Leben in der Nachkriegszeit und die Atmosphäre in seinem Elternhaus. Sein 2024 erscheinender Roman Heimwärts knüpft an diese Themen an. Im selben Jahr publiziert Lentz mit Grönemeyer die erste umfassende Werkbiografie des Musikers Herbert Grönemeyer.
Stil/Rezeption
Der Autor schildert in Muttersterben eine Grenzerfahrung, den Tod der Mutter, auf scheinbar kühle Weise. Er ist auf der Suche nach einer Sprache in einer Sprache, die, so Sibylle Birrer, „immer schon alles enthält, Ernst und Spiel, Tradition und Innovation“. Martin Maurach führt im Kritischen Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dazu aus: „Das in Klagenfurt preisgekrönte Titelstück und die ihm thematisch nahestehenden Arbeiten [...] enthalten weiterhin Hinweise auf fundamentale Sprachskepsis neben genauen Notierungen von überkommenen Phrasen und den Eigengesetzlichkeiten alltäglicher, oft gegen den Willen ihrer teils fiktiven Urheber komischer oder grotesker Redeverläufe“. Über den Roman Heimwärts schreibt Dirk Hohnsträter (NDR): „Es steckt voller genauer Erinnerungen, ist gesättigt mit detailreichen Beobachtungen und plastisch zur Sprache gebrachter Vergangenheit“. Berit Dießelkämper ergänzt in der ZEIT, dass der Roman von der „Gewaltgeschichte einer weitgehend unauffälligen und austauschbaren bundesdeutschen Kleinfamilie in den Nachkriegsjahren“ handelt: „Nur liegt das wirklich Grausame dieser Erzählung in ihrer Unaufgeregtheit, die niemanden anklagt – nicht einmal die Verhältnisse. Und in der Heimlichkeit, die niemals zu heilen scheint.“ Zu seiner Arbeit über Grönemeyer erklärt Lentz: „Herbert Grönemeyer vertont keine Texte, sondern vertextet Musik. Töne sagen und erzählen bereits etwas, oft schon das Wesentliche. Es entsteht eine Stimmung, ein Bild, eine atmosphärische Temperatur. Der Text erklärt dann, führt aus, ergänzt und passt sich an, indem er an formale Vorgaben wie Takt und Silbenzahl, Rhythmus und Zeiteinheiten gebunden ist.“
Preise & Auszeichnungen
1998 gewinnt Michal Lentz die deutsche Poetry-Slam-Meisterschaft, 1999 den Bayerischen Kunstförderpreis in der Sparte Literatur. 2001 wird ihm der Ingeborg-Bachmann-Preis für den Text Muttersterben verliehen. 2005 erfolgt die Verleihung des Preises der Literaturhäuser – nur eine von vielen Auszeichnungen, die er für sein Werk erhält.
Mitgliedschaften
Seit 2004 ist Michael Lentz Präsident der Freien Akademie der Künste zu Leipzig, seit 2014 ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt.
