Udo Steinke
Im zynischen Ton und mit Seitenhieben auf die Neue Innerlichkeit setzt sich Udo Steinke (1942-1999) mit dem Leben und Überleben der Menschen in der Nazizeit und der DDR auseinander. Der Umstand, dass mit der deutschen Wiedervereinigung ein wichtiger Themenschwerpunkt in Steinkes Werk verlorengeht, sowie sein jäher Tod lassen es in den Jahren danach still um ihn werden.
Werdegang
Udo Steinke wächst bei Leipzig auf, wo er nach Schule und Studium Verlagslektor wird. 1968 setzt er sich in die BRD ab und geht nach München. Dort nimmt er eine Reihe von Gelegenheitsjobs an, arbeitet als Musikredakteur, Werbeleiter eines kleinen Verlages sowie Schriftleiter der Lehrerzeitung Das Gymnasium in Bayern, bis er sich als freier Schriftsteller in Husum niederlässt.
Wichtige Werke (Auswahl)
Seine erste Erzählung Ich kannte Talmann erscheint 1978 im Jahrbuch für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Die Geschichte über den letzten Lokomotivführer der DDR, der seinen Protest gegen das Naziregime und gegen die Unfreiheit in der DDR durch penetrantes Schweigen ausdrückt, wird von verschiedenen Schriftstellern und Kritikern, darunter Heinrich Böll, Reiner Kunze und Wolf Biermann, hymnisch gefeiert. Nachdem ihm zwei Jahre später der Bayerische Literaturpreis verliehen wird, stoßen seine Manuskripte bei den Verlagen von nun an auf ein breites Echo.
In dem Roman Die Buggenraths (1981) schildert er satirisch die gestörten Beziehungen eines Familienclans, in dem Roman Horsky, Leo oder Die Dankbarkeit der Mörder (1982) überlebt ein jüdischer Masseur den Holocaust dank seiner Fingerfertigkeit gegenüber den SS-Offizieren. Die im inneren Monolog gehaltene Romanze Mannsräuschlein von 1985 stellt dagegen Steinkes Erinnerung an die ehemaligen Geliebten beider deutscher Staaten und seine Hoffnung auf eine bessere Welt dar. Im gleichen Jahr werden auch Teile aus seinen Werken Talmann und Buggenraths im Münchner Off-Off-Theater „k“ szenisch uraufgeführt. Seinen letzten Erfolg hat Steinke mit dem Roman Bauernfangen (1986), eine Geschichte übers Hamstern und über zwischenmenschliche Verirrungen in der Nachkriegszeit.
Preise & Auszeichnungen
Gegen das ausdrückliche Votum der Jury erhält Steinke 1980 vom bayerischen Kultusminister Hans Maier den mit 10000 Mark dotierten Bayerischen Literaturpreis.
Stil / Rezeption
Das nach ihm benannte
Steinke-Institut in Bonn bietet u.a. Sprachkurse (Deutsch, Fremdsprachen) sowie Vorbereitungskurse für die Feststellungsprüfung und das Studium in Deutschland an.
Sekundärliteratur:
Macher, Hannes S. (2004): Udo Steinke (2.5.1942 – 12.10.1999). Ein Meister „doppeldeutscher“ Fabulierkunst. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 335f.
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Im zynischen Ton und mit Seitenhieben auf die Neue Innerlichkeit setzt sich Udo Steinke (1942-1999) mit dem Leben und Überleben der Menschen in der Nazizeit und der DDR auseinander. Der Umstand, dass mit der deutschen Wiedervereinigung ein wichtiger Themenschwerpunkt in Steinkes Werk verlorengeht, sowie sein jäher Tod lassen es in den Jahren danach still um ihn werden.
Werdegang
Udo Steinke wächst bei Leipzig auf, wo er nach Schule und Studium Verlagslektor wird. 1968 setzt er sich in die BRD ab und geht nach München. Dort nimmt er eine Reihe von Gelegenheitsjobs an, arbeitet als Musikredakteur, Werbeleiter eines kleinen Verlages sowie Schriftleiter der Lehrerzeitung Das Gymnasium in Bayern, bis er sich als freier Schriftsteller in Husum niederlässt.
Wichtige Werke (Auswahl)
Seine erste Erzählung Ich kannte Talmann erscheint 1978 im Jahrbuch für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Die Geschichte über den letzten Lokomotivführer der DDR, der seinen Protest gegen das Naziregime und gegen die Unfreiheit in der DDR durch penetrantes Schweigen ausdrückt, wird von verschiedenen Schriftstellern und Kritikern, darunter Heinrich Böll, Reiner Kunze und Wolf Biermann, hymnisch gefeiert. Nachdem ihm zwei Jahre später der Bayerische Literaturpreis verliehen wird, stoßen seine Manuskripte bei den Verlagen von nun an auf ein breites Echo.
In dem Roman Die Buggenraths (1981) schildert er satirisch die gestörten Beziehungen eines Familienclans, in dem Roman Horsky, Leo oder Die Dankbarkeit der Mörder (1982) überlebt ein jüdischer Masseur den Holocaust dank seiner Fingerfertigkeit gegenüber den SS-Offizieren. Die im inneren Monolog gehaltene Romanze Mannsräuschlein von 1985 stellt dagegen Steinkes Erinnerung an die ehemaligen Geliebten beider deutscher Staaten und seine Hoffnung auf eine bessere Welt dar. Im gleichen Jahr werden auch Teile aus seinen Werken Talmann und Buggenraths im Münchner Off-Off-Theater „k“ szenisch uraufgeführt. Seinen letzten Erfolg hat Steinke mit dem Roman Bauernfangen (1986), eine Geschichte übers Hamstern und über zwischenmenschliche Verirrungen in der Nachkriegszeit.
Preise & Auszeichnungen
Gegen das ausdrückliche Votum der Jury erhält Steinke 1980 vom bayerischen Kultusminister Hans Maier den mit 10000 Mark dotierten Bayerischen Literaturpreis.
Stil / Rezeption
Das nach ihm benannte
Steinke-Institut in Bonn bietet u.a. Sprachkurse (Deutsch, Fremdsprachen) sowie Vorbereitungskurse für die Feststellungsprüfung und das Studium in Deutschland an.
Macher, Hannes S. (2004): Udo Steinke (2.5.1942 – 12.10.1999). Ein Meister „doppeldeutscher“ Fabulierkunst. In: Schweiggert, Alfons; Macher, Hannes S. (Hg.): Autoren und Autorinnen in Bayern. 20. Jahrhundert. Bayerland Verlag, Dachau, S. 335f.
