Frequenz: eingestellt; von 1908-1910 alle zwei Monate
Hg.: Franz Blei; Carl Sternheim
Verlag: Hans von Weber Verlag

Hyperion

Eine Zweimonatsschrift

Sechs Jahre nachdem die Literaturzeitschrift Die Insel eingestellt worden war, ruft einer ihrer eifrigsten Mitarbeiter, Franz Blei, zusammen mit dem Schriftsteller Carl Sternheim die Literaturzeitschrift Hyperion ins Leben. Zwischen 1908 und 1910 erscheinen zwölf Hefte in zehn Ausgaben, allesamt in München herausgegeben. Die Zeitschrift erscheint im Hans von Weber Verlag, zu dem Blei ein enges Verhältnis pflegt und dessen frühere Publikationen er schon beeinfluss hat.

In einem Brief an Verleger und Schriftsteller Julius Zeitler schreibt Blei anlässlich dem zweiten Jahr des Bestehens der Zeitschrift folgendes zu ihrer Idee:

Es war die Absicht, mit dem Hyperion eine Zeitschrift zu schaffen, welche, wie für ihre Zeit Pan und Insel, die schriftstellerischen und künstlerischen Kräfte dieser Zeit in ihren stärksten Formungen vorstellen und späteren Zeiten ein Dokument unseres Wollens und Könnens ist. Unsere hohe Meinung von der Bedeutung des Schrifttums und der Künste läßt es nicht zu, daß wir diese der Unterhaltung und Belehrung dienen lassen. Aus einem erwählten Kreis Schaffender gebildet wendet sich die Zeitschrift an gleich erwählte Leser, denen die Kunst mehr ist als Sensation oder Bildungsstoff.

Bleis Idee ist es, eine aufwendige Publikation zu schaffen. Neben Texten werden Illustrationen und Kunstdrucke veröffentlicht, vorwiegend auf exquisitem Papier mit aufwendig gestaltetem Einband. Der Großteil der Auflage wird auf Velin gedruckt. Ein Gesamtkunstwerk soll kreiert werden. Das aufwendige Vorhaben benötigt jedoch eine großzügige Finanzierung. Hier springt Carl Sternheim ein, den Blei Ende des Jahres 1907 kennengelernt hat. Der damals noch unbekannte Autor Sternheim, Sohn aus einem wohlhabenden jüdischen Elternhaus, ist begeistern von Bleis Plan und stiftet 10.000 Mark, ohne die Summe an Bedingungen zu knüpfen. Erst auf Bleis Bitte hin schickt Sternheim ihm einige Szenen seines bis dahin unveröffentlichten Dramas Don Juan. Auf diese Weise erscheint Sternheims Name ebenfalls auf dem Umschlag der Zeitschrift als Mitherausgeber.

Im zweiten Jahr des Bestehens der Zeitschrift editiert Blei allein den literarischen Teil von Hyperion. Im selben Jahr wird Alfred W. Heymel Kunstredakteur. Heymel hat jedoch bereits seit der Gründung der Zeitschrift zahlreiche Kunstwerke aus seiner privaten Sammlung zur Reproduktion und Veröffentlichung in Hyperion bereitgestellt und füllte somit praktisch allein den künstlerischen Teil. Heymel füllt außerdem eine weitere wichtige Rolle aus: Er hilft ebenfalls, die Zeitschrift zu finanzieren.

Im Jahr 1909 verschwindet Carl Sternheims Name vom Titelblatt der Zeitschrift. Sternheim hat sich als Autor etabliert, mit seinem Drama Don Juan Furore gemacht, und möchte auf die Reklame verzichten.

Die Zeitschrift wird im Jahr 1910 auf Grund von Unstimmigkeiten zwischen Blei und seinem Verleger, Hans von Weber, eingestellt. Im März 1910 erscheint die letzte Ausgabe. Sechs Monate später planen Blei, Sternheim und seine Frau die Gründung eines Verlags namens „Hyperion“, in dem Blei eine zentrale Rolle einnehmen sollte. Doch da man sich nicht auf ein Programm einigen kann und auch nicht genügend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, wird das Projekt nie ausgeführt.

In der Zeitschrift werden unter anderen Texte von Carl Sternheim, Franz Kafka, Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal, André Gide, Heinrich Mann, George Meredith und Rainer Maria Rilke veröffentlicht.

Sekundärliteratur:

Beane, Walter R. (1986): Solutions for problems in prewar Germany. The journal Hyperion. Vanderbilt Univ., Nashville.

Estermann, Monika; Ursula, Rautenberg (2009): Archiv für Geschichte des Buchwesens, Band 64. De Gruyter, Berlin.

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