Ernst Wiechert, Max Wittmann, Geza Berey / KZ-Transporte

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KZ Flossenbürg nach der Befreiung durch die US-Army im April 1945.

Mit Beginn des sogenannten „Dritten Reiches“ fahren mit der Eisenbahn durch den Bahnhof Weiden nicht nur unbeschwerte Reisende und Urlauber. Für KZ-Häftlingstransporte existieren sogar gesonderte Fahrpläne. Richtung Süden geht es nach Dachau bei München, Richtung Norden nach Buchenwald bei Weimar.

Im Bericht Der Totenwald (entstanden 1939, veröffentlicht 1945) des ostpreußischen Dichters Ernst Wiechert (1887-1950) fährt der Schriftsteller-Häftling Johannes – das alter ego des Autors – 1938 per Eisenbahn vom Gestapo-Gefängnis in München „durch ganz Ostbayern [...] über Hof“ ins KZ Buchenwald. Ein erschütterndes Zeugnis eines christlich motivierten Dichters der „Inneren Emigration“ (Romane Die Majorin, 1934, und Missa sine nomine, 1950) über die Zeit der NS-Schreckensherrschaft. 

Ins 1938 errichtete KZ Flossenbürg rollen die Häftlingstransporte auch über den Bahnhof Weiden, der die verkehrstechnische Schaltstation bildet. 1941 kommt so auch der österreichische Autor Max Wittmann (Weltreise nach Dachau, 1946) als politischer Häftling am Bahnhof Weiden an:

In Weiden/Oberpfalz Halt. Wüstes Geschrei. Heraus, ihr Drecksäue! Klobige Gestalten der SS. Gedränge und Geschiebe. Ich fühle einen Schmerz in der Seite. Es gab Schläge, Stöße mit dem Gewehrkolben, Fußtritte. Alle suchten so schnell wie möglich das bereitstehende Auto zu erreichen, drängten hinein, stießen und quetschten einander, verwirrten sich zu einem Knäuel, in den die SS blindlings hineinschlug...

Ebenfalls mit einem Eisenbahn-KZ-Transport kommt 1944 der Journalist, Übersetzer und spätere ungarische Verleger Geza Berey (1908-1982) auf dem Weg ins KZ-Außenlager Hersbruck durch Weiden:

Vor einer Station treiben uns die Wächter in den Graben neben den Eisenbahnschienen. Die Stadt vor uns ist Weiden. Leider sagt uns der Name nicht viel, obwohl es die größte Stadt der nördlichen Oberpfalz ist. Es friert uns erbärmlich, als wir in den Zug zurück dürfen...

(Toni Siegert: Das Konzentrationslager Flossenbürg. Ein Lager für Asoziale und Kriminelle. In: Broszat, Martin; Fröhlich, Elke [Hg.] [1979]: Bayern in der NS-Zeit. Bd. 2. München, S. 429-492.)


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Blanz, Fritz; Graßl, Johannes (Hg.) (1984): KZ Hersbruck. Überlebende berichten. Schwaig.

Siegert, Toni (72003): 30.000 Tote mahnen. Die Geschichte des KZ Flossenbürg und seiner 100 Außenlager von 1938-1945. Weiden i.d. OPf.



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