Nürnberg

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Bohdan von Suchocki im Faschingskostüm, 1903 (Archiv Monacensia)

26. August 1906

Abends Brief von Lutz an Such dass er ans Marionettentheater mit guter Gage engagiert wird, aber muss gleich kommen. – Nun ist wieder alles Schöne herum, denn hier ohne Such nachdem wir jetzt eine so gute schöne Zeit zusammen hatten –
Ach ich mag nicht dran denken und doch steht es schon ganz nah vor mir, vielleicht schon übermorgen.

(Tagebücher, S. 439)

Nürnberg.

Liebes, liebes Hatzulein.
Also bin hier! Zwischen München und Nürnberg wäre ich beinahe ausgestigen, so eine Sehnsucht bekam ich nach Euch – aber der Zug hielt nicht und es ging immer weiter und so viele häsliche Menschen im Zuge, pfui Teufel!
Bohdan von Suchocki am 4. September 1906 aus Nürnberg

(Wir über uns jetzt wie Esel schreien, S. 143f)

Der Musikwissenschaftler Ludwig Landshoff (Lutz) vermittelt Suchocki im Herbst 1906 ein Engagement an Paul Branns Marionettentheater. Die Proben finden in Nürnberg statt. Franziska zu Reventlow sieht der vorübergehenden Trennung mit Sorge entgegen. Sie scheint zu ahnen, dass ihr bald eine endgültige folgen wird: Suchocki realisiert ein Jahr später seinen Plan, nach Mexiko auszuwandern. Franziska zu Reventlow fürchtet die Zeit ohne den Geliebten und empfindet im voraus Sehnsucht und Einsamkeit. Auch ihm fällt der Abschied nicht leicht. Als er seine Abreise um eine Woche verschiebt, empfand sie jeden gewonnenen gemeinsamen Tag wie ein Geschenk und triumphiert: „Aber ich hab doch Klages' Theorie zunichte gemacht, dass ich nie einen Menschen festhalten könnte. Wenn wir uns auch zeitweise zerrissen haben wie wilde Tiere.“ Im Oktober 1907 vermerkt sie: „Nun ist er fort und ich geh ganz wie betäubt herum. Es ist entsetzlich einsam überall suchen wir nach unsrem Hazzi.“


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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