Friedrich Hölderlin I / Oberpfälzer Litera-Tour

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Ansicht der Stadt Amberg vom Mariahilfberg aus (Leporello). Aus: "Erinnerung an Amberg", Kupferstich 1884 (Bayerische Staatsbibliothek/Porträtsammlung).

Friedrich Hölderlin (1770-1843), der Dichter des Hyperion (1799), reist seinem wohlhabenden und großzügigen Freund, den Abgesandten von Homburg (Hessen) und Schriftsteller Isaac de Sinclair, zum Reichstag („Reichsdeputation“) nach Regensburg nach, der sicherlich auch für die Reisekosten aufkam. Am 28. September 1802 ließ sich der Dichter vom „Herzoglich Wirtembergischen Oberamt Nürtingen“ einen Pass für eine vierwöchige Reise über Blaubeuren und Ulm nach Regensburg ausstellen. Ob er tatsächlich die volle Zeit dort blieb, ist ungewiss.

Seine Rückreise führte Hölderlin wohl über Amberg und Nürnberg, wo er mutmaßlich übernachtete. In seinem Text Das nächste Beste – vermutlich entstanden in Nürtingen im Herbst 1803 finden wir die Erwähnung von Amberg in Hölderlins lyrischem Wegweiser der schöpferischen Mächte durch die Zeiten:

Vom Oberland biegt sich das Gebirg, wo auf hoher Wiese die Wälder sind wohl an
Der bairischen Ebne. Nemlich Gebirg
Geht weit und streket, hinter Amberg
sich und Fränkischen Hügeln. Berühmt ist dieses. Umsonst nicht hat
Seitwärts gebogen Einer von Bergen der Jugend
Das Gebirg, und gerichtet das Gebirg
Heimatlich. Wildniß nemlich sind ihm die Alpen und
Das Gebirg, das theilet die Thale und die Länge lang
Geht über die Erd. Dort aber rauschen, über spizem Winkel
Frohlokende Bäume. Gut ist, das gesezt ist. Aber Eines
Das ficht uns an Anhang, der bringt uns fast um heiligen Geist Barbaren
Auch leben, wo allein herrschet Sonne
Und Mond. Gott aber hält uns, wenn zu sehn ist einer, der wolle
Umkehren mein Vaterland.
Gehen mags nun. Fast, unrein. Bei Ilion aber auch
Das Licht der Adler. Aber in der Mitte
Der Himmel der Gesänge. Neben aber
Am Ufer zornige Greise, der Entscheidung nemlich; die alle
Drei unser sind.

Nach Hölderlins Heimkehr „siegte die Finsternis; es senkte sich über diesen großen Geist eine dunkle, sternenlose Nacht“.


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

Sekundärliteratur:

Baron, Bernhard M. (2002): Hölderlins Heimreise 1802 vom Reichstag zu Regensburg. In: Oberpfälzer Heimat 45, Weiden i.d. OPf., S. 105-110.



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