Antonios Sigalas über München IV

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Das Neue Hofbräuhaus, 1897 (Monacensia München)

Er lud mich ein, eine andere kleinere und vielleicht nicht so weltberühmte Wirtschaft wie das Hofbräuhaus zu besuchen und ein Glas Bier zu trinken. Gleich beim Eintritt bestellte er für sich eine „Maß“ und für mich eine „Halbe“. In ein paar Sekunden waren sie da. Mit einem „Prosit“ kostete ich dieses Getränk. Nach ein paar Gesichtsumbildungen setzte ich das Glas wieder an seinen Platz, ohne dass man merken konnte, dass jemand es an seine Lippen gebracht habe. Noch einmal probierte ich dieses bittere Getränk, und dann ließ ich's stehen. Mein Nachbar freute sich im Stillen, denn, nachdem er mit seiner Maß fertig war, zog er das meine wie selbstverständlich an sich! Auf seine teilnehmende Frage, warum ich es nicht trinke, antwortete ich ihm, dass es zu bitter sei und dass ich gar keinen Durst habe. Es ist wahr, ich konnte es damals nicht begreifen, wie einer so viel Durst haben konnte, nachdem es doch draußen zu schneien begann.

Antonios Sigalas, Erinnerungen, 1910 (Zit. aus: Antonios Sigalas. In: Anton Mayer-Pfannholz: Deutsches Alpenland. Ein Heimatbuch. Leipzig 1937, S. 239)

 

Antonios Sigalas, griechischer Schriftsteller; Lebensdaten und Aufenthalt in München: unbekannt

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek