Bedrich Smetana über München II

Wegen des Krieges ist hier alles in Aufregung und es ist jetzt hier nicht angenehm für einen Fremden, daher am besten, nach Hause zu gehen ... In München habe ich zwei Mal Walküre und ein Mal Rheingold gesehen und muss sagen, dass ich dadurch noch mehr erkenne, dass Wagner in Wirklichkeit der Reformator der Oper und ein großer Mann ist. Auch den König habe ich gesehen, als ihm die Bürger eine Ovation bereiteten, weil er sich für die Beteiligung am Kampfe gegen Napoleon ausgesprochen hat. Sie riefen ihm „Hoch“ und „Vivat“ zu, und er neigte sich aus dem Fenster und dankte. Mir gefällt dieser bayrische König, so jung, so fröhliche Wangen und schön. Der Enthusiasmus ist hier groß für ihn. Und jetzt mit Gott! Unser Geld ist hier im Kurse so gefallen, dass auch das mich nötigt, bald zurückzukehren, wenn ich nicht großen Schaden erleiden will.

Bedrich Smetana an seine Frau, Brief vom 22. Juli 1870 (Zit. aus: Bedrich Smetana an seine Frau. Brief vom 22. Juli 1870. In: Hans-Rüdiger Schwab (Hg.): München. Dichter sehen eine Stadt. Stuttgart 1990, S. 114)

 

Bedrich Smetana (1824-1884), tschechischer Komponist; Aufenthalt in München: 1868 und 1870


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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