Igor Emmanuilowitsch Grabar über München II

Besonders viel an „Schätzen“ lieferten die „Redouten“, so heißen in München die Maskeraden, die in aller Regel zu der Karnevalszeit veranstaltet werden. Hier ist alles besoffen, alles zur Schau gestellt, keiner geniert sich vor den anderen, und in neun Monaten nach der heißen Karnevalszeit nimmt die Bevölkerung Münchens wesentlich zu. D.N. Kardowsky verhielt sich wie ein schüchternes Mädchen. Die anderen Russen blieben nicht zurück und eiferten den uralten Bräuchen des gastfreundlichen, sie vorübergehend beherbergenden Landes nach.

Igor Grabar, Erinnerungen, um 1895 (Zit. aus: Igor Grabar. In: Ekaterina Grabar: Russische Künstler im München der Jahrhundertwende. In: Russische Spuren in Bayern. Portraits, Geschichten und Erinnerungen. Hg. v. MIR e.V. Zentrum für russische Kultur in München. München 1997, S. 68)

 

Igor Emmanuilowitsch Grabar (1871-1960), russischer Maler und Kunsthistoriker; Aufenthalt in München: um 1900


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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