Orlando di Lasso über München II

Orlando di Lasso in einem Brief aus München, ohne Datum (wahrscheinlich 1574) an den Hof-Futtermeister am Hof von Herzog Wilhelm:

Mein hochverehrter, vortrefflicher Herr!

Übermorgen sind es acht Tage, dass ich mein Herr Pferd im Stall habe und noch kein Fuder Heu kaufen konnte für mein Geld. Ich habe im Wirtshaus zwei Planen Heu gekauft, für je drei Batzen. Wenn ich das ausrechne, so frisst mein Pferd pro Tag und Nacht für einen Batzen Heu, das wären im Jahr ungefähr 24 Gulden, so dass es die Unkosten nicht wettmacht. Ich habe nachgefragt, an wen man sich wenden kann, und Hari Meister hat mit antworten lassen, er könne mir mit oder ohne Geld nicht behilflich sein ohne Anweisung von Euer Wohlgeboren. So bitte ich wärmstens, Euer Wohlgeboren möchten in Eurer Güte und Liebenswürdigkeit geruhen, mir gegen Geld – anders möchte ich es nicht – so viel Heu anweisen zu lassen, dass es mir für zwei bis drei Wochen reicht. Ich hoffe, in der Zwischenzeit wird schon eine Fuhre nach Landshut kommen oder gebracht werden und ich kann mir dann selbst helfen, ohne meine Gönner zu belästigen, unter die ich Euer Wohlgeboren nicht als den Letzten zähle. Damit küsse ich Euch untertänigst und von Herzen die Hand und bin willens, es ein anderes Mal wirklich zu tun. Von zu Hause,

Euer Wohlgeboren stets dienstwilliger Orlando di Lasso

Orlando di Lasso an den Hof-Futtermeister am Hof von Herzog Wilhelm, o.D. (Zit. n. Horst Leuchtmann: Orlando di Lasso. Briefe. Wiesbaden 1977, S. 229)

 

Orlando di Lasso (1532-1594), belgischer Komponist; Aufenthalt in München: ab 1557


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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