Michel de Montaigne über München

Am nächsten Morgen, welches ein Donnerstag, 20. Oktober, war, reisten wir weiter durch eine große, mit Getreide bestandene Ebene (denn Wein gibt es dort gar keinen), darauf durch eine Grassteppe, die sich ausdehnte, so weit der Blick reichte, und kamen zum Mittagessen nach München, vier Meilen davon, einer großen Stadt etwa im Umfang von Bordeaux, Hauptstadt des Herzogtums Bayern und erster Residenz am Ufer der Isar, Ister. Sie hat ein schönes Schloss und schönere Stallungen, als ich je in Frankreich und Italien gesehen habe, gewölbt und zur Aufnahme von zweihundert Pferden bereit. Es ist eine stark katholische, bevölkerte, schöne und handelsreiche Stadt.

Michel de Montaigne, Tagebuch einer Reise durch Italien, die Schweiz und Deutschland, 1580 (Zit. aus: Michel de Montaigne: Tagebuch einer Reise durch Italien, die Schweiz und Deutschland in den Jahren 1580 und 1581. Hg. v. Otto Hake. Frankfurt a. Main, 1988, S. 70f.)

 

Michel de Montaigne (1533-1592), französischer Schriftsteller und Philosoph; Aufenthalt in München: 1580


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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