Charles Burney über München

Als ich aus der Oper nach Hause ging, hörte ich in der Gasse ein gut Koncert; man machte es vor der Türe des Herrn Devisme, beim Scheine von Fackeln und bei großem Zulaufe. Als ich darauf nach meinem eignen Gasthofe „Zum goldenen Hirsche“ ging, hörte ich wieder dieselbe Gesellschaft vor meiner Türe. Auf meine Erkundigung ward mir gesagt, dass es die armen Schüler wären; aber nur erst des anderen Tages erfuhr ich, dass dieses Koncert dem Herrn Devisme und mir gegolten hatte, weil wir in ihrem Collegio gewesen waren, uns nach der Einrichtung der Stiftung zu erkundigen ... Am näch­sten Tag des Abends hörte ich abermals die armen Schüler in den Gassen verschiedene vollstimmige Stücke recht gut spielen. Sie hatten Violinen, Oboen, Waldhörner, ein Violoncello und einen Bass. Ich erfuhr, dass sie oft auf diese Art in den Gassen spielen mussten, um dem Publikum, auf dessen Kosten sie unterhalten werden, von ihrem Fleiße im Lernen Beweise zu geben.

Charles Bumey, Reisetagebuch, Münchener Notizen, 1772 (Zit. aus: Aus dem Reisetagebuch des Charles Burney. [Robert Münster: Münchener Notizen 1772]. In: Bayrischer Rundfunk. Redaktion: Hörbild/Inland. Erstsendung: 17. März 1963, S. 14)

 

Charles Burney (1726-1814), englischer Musikhistoriker, Komponist und Organist; Aufenthalt in München: 1772


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

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