Ludwig Ganghofer im Gaistal

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Ludwig Ganghofers Jagdhaus "Hubertus" auf der Tillfußalm im Tiroler Gaistal, um 1900 (Archiv Monacensia)

Ludwig Ganghofer pachtet 1896 im Tiroler Gaistal zwischen Leutasch und Ehrwald eine Hochwildjagd mit einer Fläche von über 20000 Hektar, die er bis 1918 behält. Etwa 20 Jahre lang verbringt er die Sommermonate in seinem Landsitz im Hochgebirge, den er in Anlehnung an seinen Roman Schloß Hubertus „Jagdhaus Hubertus“ nennt. Zu den ihn besuchenden Gästen zählen zahlreiche Schriftsteller, darunter Ludwig Thoma, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Gerhart Hauptmann, Max Halbe, Thomas Mann und Ricarda Huch, aber auch Maler und Musiker, wie Franz von Stuck, Arnold Böcklin, Bruno Walter oder Richard Strauss. Die landschaftlichen Reize des Reviers schildert Ganghofer in seinem Roman Das Schweigen im Walde:

Zu Füßen der Straße zog sich ein schmales Hochtal mit fast ebener Sohle bis in weite Ferne, kaum merklich gewunden, eine einzige große Linie, gezeichnet von der weit ausholenden Hand des Schöpfers. Durch das lange Tal hin schlängelt sich die Gaistaler Ache, in eng gedrängtem Bette aus- und einbiegend um vorspringende Felsen und Waldecken, bald grünlich schimmernd bei ruhigem Gefäll, bald wieder blitzend in der Sonne und zersprudelt zu weißem Schaum. Das ganze Tal entlang reiht sich zur Linken ein Felskoloss an den anderen; neben der ungestüm aufstrebenden Munde erhebt sich die wuchtige Hochwand, hinter dem klobigen Igelstein, drängt sich der steile Tejakopf hervor, und den wirkungsvollen Abschluss bildet die Sonnenspitze mit ihrer schlanken, auf breitem Sockel ruhenden Pyramide. Von dunklem Blau umschleierten Kare schneiden in den Leib der steinernen Riesen ein, und über die steilen Felsrippen klettern die Fichtenwälder empor als schmale Zungen und verlieren sich mit einsam vorgeschobenen Bäumen zwischen den Latschenfeldern, die um die Brust der Berge hängen wie eine grüne Samtverbrämung. Verstaubter Schnee, den immerwährender Schatten auch gegen die Sonne des Juli schützte, füllt mit zerrissenen Formen alle tieferen Buchten im Gestein, und von ihm aus ziehen, den lebenden Wald zersprengend, die Lawinengassen nieder mit verwüstetem Gehäng. (Zit. aus: Andreas Aberle und Jörg Wedekind (Hg.): Ludwig Ganghofer im Gaistal. In: Ludwig Ganghofers Jagdbuch. Von Wald und Wild, von Jägern und Wilderern. Rosenheim 1978, S. 29-37. © Rosenheimer Verlagshaus, Rosenheim 2005)

Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Tworek, Elisabeth (2011): Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 144f., S. 250.