Christian Morgenstern am Eibsee

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Eibsee, 1960. Fotoalbum Amalie Wellano (Archiv Monacensia)

Bereits als Kind begleitet Christian Morgenstern seinen Vater, den Landschaftsmaler Wilhelm Morgenstern, regelmäßig zu Malstudien in das Alpenvorland. Nach dem Tod der Mutter 1881 zieht der Vater von München nach Starnberg. In seinen Erinnerungen Dem Kinde im Menschen bezeichnet Christian Morgenstern die Zeit in München, Nymphenburg und Oberbayern als „die grünen Paradiese der Kindheit“. In einem Briefwechsel mit Marie Goettling Ende Mai 1893 schreibt er über das bayerische Gebirge:

Gerade die Schönheit der Welt ist mir in den verflossenen Tagen oft überwältigend entgegengetreten, als ich mit meinen lieben Freunden das bayrische Gebirge durchwanderte. Es ist etwas Großartiges in diesen hochragenden Bergen, in diesen teils freundlichen teils düstren Wäldern und den stillen, tiefen Seen an ihrem Fuße, eine stolze Abgeschlossenheit und Verachtung gegen die Welt der Kultur, die da draußen ihr prahlendes Gepränge entfaltet.

Und doch habe ich in diesen im Allgemeinen mehr lieblichen als grandiosen Landschaften noch nicht ganz das gefunden, wonach ich mich sehne, das was mich bezwingen und übermannen soll. Drum will ich noch tiefer in die Berge steigen, bis ich es endlich finde.

Der Eibsee gefiel mir besonders gut, obschon er nicht entfernt jenen einsam-düsteren Charakter hat (wenigstens für mich nicht), wie man stets hört und liest. Aber ein herrliches Gefühl war's doch, als wir abends in unseren kleinen Booten auf dem See einen Sturm erlebten, während über die dunklen Waldmassen der Wetterstein mit der Zugspitze von weichem Mondglanz umwebt sich erhob. Ich nahm mir von diesem See ein größeres Bild mit, das in meinem Stübchen vor mir hängend, mich stets an die weihevollen Stunden dieses Abends erinnern wird. (Zit. aus: Christian Morgenstern: Werke und Briefe. Kommentierte Ausgabe. Bd. VII: Briefwechsel 1878-1903. Hg. von Katharina Breitner. Stuttgart 2005, S. 148-151, S. 152f.)


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek

Sekundärliteratur:

Tworek, Elisabeth (2011): Literarische Sommerfrische. Künstler und Schriftsteller im Alpenvorland. Ein Lesebuch. Allitera Verlag, München, S. 141, S. 260.



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