Jüdisches Museum München: Comics mit jüdischen Themen

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Das Jüdische Zentrum am Jakobsplatz in München

Es möchte einen Einblick in das jüdische Leben in Gegenwart und Vergangenheit ermöglichen, so der selbstgestellte Anspruch des seit 2007 auf dem Jakobsplatz bestehenden Jüdischen Museums in München. Dazu gehört für die Kuratoren auch die Kunstform des Comics, die gerade auch von Juden (besonders in den USA) geprägt wurde und ebenso jüdisches Alltagsleben als auch die Shoah thematisiert wie Art Spiegelmans Graphic Novel Maus.

Im Museum wird dem in vielfältiger Form Rechnung getragen. So beinhaltet die Bibliothek des Leseraums auch Comics, die auf unterschiedliche Weise Zugänge zur jüdischen Kultur in Vergangenheit und Gegenwart ermöglichen. Der Blog berichtet über Comics, die sich mit jüdischen Themen auseinandersetzen. Regelmäßig finden im Haus Veranstaltungen und Ausstellungen meist in Zusammenarbeit mit dem Comic Festival München zum Thema statt.

2011 dann Excelsior – das Jüdische im Superhelden-Comic über jüdische Zeichner und Superhelden mit jüdischen Wurzeln. Dazu gehören bekannte Figuren wie Magneto (X-Men) oder Das Ding (Fantastic Four), aber auch in Deutschland eher weniger prominente Kämpfer, die mit dem silberarmigen Leuchter auf dem Trikot gegen Dr. Mengele oder den Chanukah Thief kämpfen.

2013 widmet sich Dr. Wertham und der Comic Code dem Psychiater Fredric Wertham (1895-1981), der als Friedrich Ignatz Wertheimer in Nürnberg geboren wurde. In die USA ausgewandert, wurde er einer der prominentesten Kämpfer gegen Comics, denen er, scheinbar wissenschaftlich untermauert, die Jugendgefährlichkeit ihrer Inhalte und Ausdrucksformen attestierte. Sein Buch Seduction of the Innocent war maßgeblich an der Einführung der Selbstzensur des Comic Code 1954 beteiligt. Dadurch ist Wertham aber auch indirekt für den dadurch entstehenden Underground-Comic verantwortlich und wurde selbst zur Zielscheibe von Comicsatiren wie Freddie Wertham Goes to Hell oder Dr. Werthless.

2015 feiert das Museum 75 JAHRE THE SPIRIT VON WILL EISNER, und 2017 geht es um Kafka im Comic.

Die größte Besonderheit bietet jedoch die Dauerausstellung. Anlässlich der Eröffnung lud das Jüdische Museum München 2006 den Comicmacher Jordan B. Gorfinkel in die Landeshauptstadt ein, der daraus entstandene Strip ist fester Bestandteil der Abteilung Stimmen_Orte_Zeiten, die durch verschiedene Installationen von Gedächtnis-Medien einen möglichst vielfältigen Blick auf die jüdische Kultur und Erinnerung zu ermöglichen versucht. Gorfinkel veröffentlicht seine Bildergeschichte Everything's Relative, in der sieben unterschiedliche Charaktere das New Yorker Alltagsleben aus jüdischer Sicht schildern, bereits seit 1996. Im Comic für das Museum begeben sich zwei dieser Figuren – der Holocaustüberlebende Sejde und der junge amerikanische Jude Bernie – auf Einladung desselben nach München und reflektieren ihre Erlebnisse.

„Die ambivalenten Gefühle bei der Rückkehr sind ebenso Thema wie jüdische Identitäten heute in München“ (Katalog, S. 73).

 

Externe Links:

Homepage

Comic für das Jüdische Museum München

Pressestimmen zum Comic

Blog-Einträge zu Comics Jüdisches Museum München

Jewish Comics Search Engine

Liste jüdischer Superhelden


Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Dr. Ingold Zeisberger

Sekundärliteratur:

Fleckenstein, Jutta; Purin, Bernhard (2006): Jüdisches Museum München. Prestel, München.



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