Waldmünchen (1924 und 1936)

In Waldmünchen setzte man auf eine literarische Neuschöpfung und wählte die sogenannte Münchener Passion von Hermann Dimmler, die 1920 für eine Freilichtvorstellung im Herzogpark verfasst worden war. Mit Unterstützung einiger Berufsschauspieler aus München brachten fast 70 Laiendarsteller in „stilechten Kostümen“ an Pfingsten 1924 das Leiden und Sterben Jesu Christi auf die Bühne.

In der Zeit des Nationalsozialismus, vom 4. bis 6. April 1936, folgte eine neuerliche Passionsaufführung nach der Textvorlage Dimmlers durch die 1921 gegründete „Festspielgesellschaft für das katholische Deutschland“, die im gesamten süddeutschen Raum tourte; wiederum waren mehr als 90 Waldmünchner, auch mit Sprechrollen, an der Inszenierung beteiligt, die von der Lokalpresse als „weihevolle[s] [...] Erlebnis für alle Volksgenossen“ angekündigt wurde. Durch die antisemitischen Züge, die der Spieltext aufweist, boten sich durchaus Anknüpfungspunkte zur nationalsozialistischen Ideologie, weshalb die braunen Machthaber die Initiatoren des religiösen Spektakels gewähren ließen. Wie die Aufführung verstanden werden konnte (und wohl auch sollte), offenbart eine Besprechung im „Waldmünchener Grenzboten“: Danach entwickelte sie eine integrative Kraft, die eine (Glaubens- und Werte-)Gemeinschaft formen, erhalten und stärken mochte – bei gleichzeitiger Ausgrenzung jüdischer Mitbürger.


Verfasser: Manfred Knedlik / Bayerische Staatsbibliothek

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