Moderne Hetäre

Franziska zu Reventlow erfindet für sich eine moderne Form des Hetärentums, orientiert an antiken Vorbildern. Sie prangert das Christentum an, weil es „den Menschen in einen unlöslichen Konflikt zwischen seiner eigenen Natur und der ihm aufgezwungenen Moral“ stürzt und fordert „den Mut zur Sündhaftigkeit“, die man „lieber Lebensfreude nennen“ sollte. In ihrem 1899 erschienenen Aufsatz Was Frauen ziemt! Viragines oder Hetären? spricht sie sich für eine Frauenbewegung aus, die für die Frau freie Verfügung über ihren Körper fordert. Es geht ihr bei dieser Freiheit nicht um eine möglichst große Zahl von Liebhabern, nicht um Quantität, sondern um Qualität. Sie selbst kennt ein ebenso großes wie vielfältiges Spektrum von Liebesarten. Dazu gehören große Leidenschaften und Liebschaften voller Dramatik genauso wie anonymer Sex mit „fremden Männern“, Gruppensex, Orgien, und Prostitution. Die wichtigsten Männer in ihrem Leben sind: Emanuel Fehling, Walter Lübke, Alfred Friess, Albert Hentschel, Ludwig Klages, Karl Wolfskehl, Franz Hessel und – vor allem – Bohdan von Suchocki, genannt Such. 


Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Gunna Wendt

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Franziska zu Reventlow, fotografiert von Henri-Pierre Roché, 1908 (Archiv Monacensia)