Friedrich Hölderlin II / Oberpfälzer Litera-Tour

Im Verzeichnis der zum Kongresse abgesandten Vertreter der Reichsstädte ist der „Regierungsrat Sinclair“, der im „Goldenen Anker“ wohnte, nachgewiesen. Es ist anzunehmen, dass Hölderlin bei seinem Freund Sinclair wohnte. Leider wird Hölderlin in Regensburg nirgends „registriert“ – auch nicht im „Diarium“. Aber Hölderlin schließt in Regensburg nähere Bekanntschaft mit dem Landgrafen von Hessen-Homburg Friedrich Ludwig (1748-1820), der den Dichter offensichtlich bei dieser Gelegenheit bat, ihm ein religiöses Zeitgedicht zu schreiben. Am 13. Januar 1803 übersandte Hölderlin seinem Freund Sinclair eine Reinschrift der Hymne Pathmos mit der Widmung „Dem Landgrafen von Hessen Homburg“.

Hölderlin könnte sich in Regensburg auch auf die Spuren des kaiserlichen Hofmathematikers Johannes Keplers (1571-1630) gemacht haben. In Hölderlins Gedicht Hälfte des Lebens (1805) findet man einiges wieder:

             […]
             Weh mir, wo nehm' ich, wenn
             Es Winter ist, […] und wo
             Den Sonnenschein,
             Und Schatten der Erde?
             […]

Dies kann wohl nur als eine Anspielung auf die Inschrift des verschwundenen Grabsteins von Johannes Kepler verstanden werden, wo Lateinisch geschrieben stand:

             Mensus eram coelus,
             nunc terrae meteor umbras […]

Zu Deutsch:

             Himmel hab ich gemessen,
             jetzt meß ich die Schatten der Erde.


Verfasser: Bernhard M. Baron / Bayerische Staatsbibliothek

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Friedrich Hölderlin, Pastell von Franz Karl Hiemer, 1792.