Die berühmte Familie Mann

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Albumblatt aus dem Familienalbum (Die Geschwister Mann, von links: Golo Mann, Erika Mann, Klaus Mann), ca. 1909 (c) ETH-Bibliothek Zürich, Thomas-Mann-Archiv / Fotograf: Atelier Elisabeth / TMA_AL30_6244

Am 11. Februar 1905, neun Monate vor der Geburt ihres ersten Kindes, heirateten Thomas Mann und Katia Pringsheim. Thomas Mann war neunundzwanzig, Katia einundzwanzig Jahre alt. Sie wohnten in einer großen Sieben-Zimmer-Wohnung in der Münchner Franz-Joseph-Str.2.

1910 bezog die junge Familie mit ihren beiden Erstgeborenen – Klaus kam 1906 zur Welt – eine neue Wohnung in der Mauerkircherstr. 13, die den Ansprüchen der schnell wachsenden Familie gerecht wurde. Golo wurde 1909, Monika 1910 geboren. Ab 1914 wohnten sie dann, wiederum von Katias Eltern unterstützt, in der imposanten Herzogpark-Villa in der Poschingerstraße, die ein Jahr zuvor gebaut worden war und drei Etagen umfasste. Es war genau die richtige Umgebung für Erika, Klaus und ihre Freunde: wild, einsam, unbeaufsichtigt. „Vorsicht, die Mannkinder!“ lautete eine Warnung in der Umgebung, weil es die Herzogparkbande oft toll trieb. Zu dieser gefürchteten Bande gehörten neben Erika und Klaus die Töchter des Dirigenten Bruno Walter und seiner Frau Elsa, Gretel und Lotte, sowie Richard Hallgarten. „Wir mystifizierten, logen, täuschten mit Glanz und mit einer Leichtigkeit, die beneidenswert war, wir waren eingespielt aufeinander, ein tolldreistes Ensemble, nie klaffte ein Riss in unseren Netzen“, charakterisiert Erika Mann „die böse und einfallsreiche Horde“.    

1905 war für Katia ein aufregendes Jahr: Aus der verwöhnten einzigen Tochter, die inmitten von Brüdern in einer sehr begüterten Familie aufwuchs, war innerhalb eines Jahres eine Ehefrau und Mutter geworden. Die Heirat bedeutete für Katia keinesfalls, dass sie den Tochterstatus ablegte: Sie blieb auch als Frau Mann die Tochter Pringsheim, der jeder Wunsch erfüllt wurde. Katia war doppelt abgesichert: Der Ehemann war ein erfolgreicher, gut verdienender Schriftsteller. Und wenn es einmal knapp wurde, standen die Eltern parat: der Mathematikprofessor und Ordinarius an der Ludwig-Maximilians-Universität, Alfred Pringsheim und seine Frau Hedwig, geborene Dohm. Alfred Pringsheim stammte aus einem äußerst vermögenden Elternhaus, das es ihm unter anderem ermöglichte, für seine Familie ein prächtiges Renaissance-Palais in der Arcisstraße zu errichten. Hedwig, eine gebürtige Berlinerin, war die älteste Tochter der bekannten Feministin Hedwig Dohm.

Erika und Klaus wuchsen in dem Bewusstsein auf, etwas Besonderes zu sein – nicht um ihrer selbst willen, sondern wegen der Berühmtheit ihres Vaters. Sie waren nahezu von Anfang an unzertrennlich, bezeichneten sich zeitweise sogar als Zwillinge. Dabei waren sie grundverschieden und die Geschlechtsrollen sofort vertauscht. Erika war mutig, sportlich, rauflustig, extrovertiert, während Klaus ängstlich und zurückhaltend agierte. Sie habe ausgesehen wie ein „magerer, dunkel hübscher Zigeunerjunge“, schwärmte Klaus Mann und ergänzte, „sie konnte wie zwei Buben turnen und raufen“. Erika berichtete rückblickend, sie habe den kleinen Bruder immer als selbstverständliche und notwendige Ergänzung zu sich selbst gesehen. Gleich nachdem sie sich an ihr Zwillingsdasein gewöhnt hatte, entwickelte sie die Überzeugung, jedes Mädchen brauche einen Bruder.

Verfasser: Bayerische Staatsbibliothek / Gunna Wendt