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München, Türkenstraße 69: Wedekinds Pension

Türkenstraße, Fotografie vor August 1914 (Bayerische Staatsbibliothek München/Hoffmann). Außenansicht Türkenstraße 69 (c) Literaturportal Bayern.

Nachdem er einige Zeit in der Adalbertstraße 34 gelebt hat (Station 7), zieht Frank Wedekind im August 1896 in den zweiten Stock der Türkenstraße 69, wohin auch seine Zimmerwirtin Frau Mühlberger umgezogen ist. Wedekind sieht die zweite Frau des schwedischen Dramatikers August Strindberg, die junge Wienerin Frieda Uhl, wieder, die von Albert Langen eingeladen worden ist, um die französische Literatur seines Verlags in Deutschland bekanntzumachen. Die Beziehung der beiden vertieft sich – Frieda und Wedekind finden zusammen. Im August des Folgejahres kommt außerehelich ihr gemeinsames Kind Friedrich zur Welt, das Wedekind ab und an bei der Mutter in Tutzing besucht. Er selbst ist inzwischen in eine Affäre mit der Frau seines Freundes Gustav Rickelt verstrickt.

Trotz seiner pekuniären Existenz gelingen ihm im Jahr 1897 einige größere Veröffentlichungen. Neben politischen Gedichten für den Simplicissimus erscheint im selben Blatt die Erzählung Rabbi Esra; bei Albert Langen wird der Sammelband Die Fürstin Russalka gedruckt, worin Erzählungen und tagebuchartige Skizzen sowie Wedekinds erste Gedichtsammlung Die Jahreszeiten enthalten sind. Außerdem entsteht der erfolgreiche Einakter Der Kammersänger (1899 bei Langen), ein zynisches Abbild einer von Egoismus beherrschten Welt und eine Abrechnung mit dem Kunstbetrieb bzw. sich selbst.

Von München geht Wedekind 1897 nach Dresden und Leipzig und erlebt im Februar 1898 die Uraufführung seiner Tragödie Der Erdgeist, die erste Aufführung eines Wedekind-Stückes überhaupt. Im Mai 1898 ist er wieder in München und trifft sein Zimmer in der Türkenstraße 69 unverändert an.

 


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Verfasser: Monacensia Literaturarchiv und Bibliothek / Dr. Peter Czoik

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