Georg Britting: Goldene Welt
Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
*
Typoskript mit handschriftlichen Anmerkungen, 30,5 x 20,5 cm; Ana 365.I.F.11
Dieses Typoskript von Georg Britting (1891-1964) führt direkt in die Werkstatt des Schriftstellers. Es ist eines der seltenen Beispiele, in denen Britting handschriftliche Notizen in ein Typoskript einfügte. Da er im Ersten Weltkrieg an der rechten Hand schwer verletzt worden war, schrieb er seine Texte fast ausschließlich mit Schreibmaschine. Neben dem notierten Versmaß finden sich viele Ideen für die Ausgestaltung und den Inhalt des Gedichtes. Wann das Typoskript entstand, lässt sich nicht mehr feststellen. Das Gedicht erschien im September 1941 in der Zeitschrift Das innere Reich, einer national-konservativ ausgerichteten, von Paul Alverdes und Karl Benno von Mechow herausgegebenen Literaturzeitschrift, in folgender Fassung:
Goldene Welt
Im September ist alles aus Gold:
Die Sonne, die durch das Blau hinrollt,
Das Stoppelfeld,
Die Sonnenblume, schläfrig im Traum,
Das Kreuz auf der Kirche,
Der Apfel am Baum.
Ob er hält? Ob er fällt?
Da wirft ihn geschwind
Der Wind in die goldene Welt.
Das Herbstgedicht ist eines der bekanntesten Gedichte von Britting, das auch heute noch in zahlreichen Anthologien und Schulbüchern enthalten ist, allerdings in etwas veränderter Form. Für den Neudruck 1954 in der Zeitschrift Westermanns Monatshefte (Heft 9, S. 7) änderte der Schriftsteller die vierte Zeile. Seitdem heißt es etwas weniger naturmagisch: „Die Sonnenblume, schläfrig am Zaun“.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Britting gilt als bedeutender Lyriker, der der „naturmagischen“ Lyrik eines Wilhelm Lehmann nahestand, wobei die „mit vielen wirkungssteigernden rhetorischen Mitteln arbeitende Naturbeschreibung im Vordergrund“ (Haefs) stand und nicht das menschliche Subjekt. Der Durchbruch als Lyriker gelang ihm 1935 mit dem Band Der irdische Tag, für den er im selben Jahr mit dem Münchner Dichterpreis ausgezeichnet wurde. Nach dem Krieg erweiterte er seine Themen: In Die Begegnung. Gedichte erschienen 1947 erstmals seine berühmten Totentanz-Sonette, die auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs reflektierten. In Unter hohen Bäumen (1951) verfasste Britting neben seiner magischen Naturlyrik erstmals Gedichte in klassisch antiker Odenform, etwa das bekannte „Was hat, Achill…“, das Gottfried Benn als „ein wahrhaft großartiges Gedicht“ bezeichnete. 1965 erschienen bei der Nymphenburger Verlagshandlung unter dem Titel Der unverstörte Kalender Georg Brittings nachgelassene Gedichte, „die, in formaler Weiterentwicklung, die lyrische Summe einer gereiften Lebensphilosophie bieten“ (Haefs).
W. Haefs, Britting, Georg, in: W. Killy, Literaturlexikon, Bd. 2, München 1989, S. 218f.; D. Bode, Georg Britting. Geschichte seines Werkes, Stuttgart 1962.
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Die Erwerbung von Nachlässen hat „die Geschichte der Bibliothek von ihren Anfängen bis zur Gegenwart begleitet.“ So schreibt Karl Dachs, der Leiter der Abteilung für Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek, in seiner Einleitung zur ersten systematischen Verzeichnung der schriftlichen Nachlässe in dieser Institution aus dem Jahr 1970. In den letzten 50 Jahren seit Erscheinen seines Buches hat sich der Bestand an Nachlässen dort fast verdreifacht. Das Literaturportal Bayern stellt deshalb in regelmäßigen Abständen ausgewählte Stücke von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in seinem Journal vor.
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Typoskript mit handschriftlichen Anmerkungen, 30,5 x 20,5 cm; Ana 365.I.F.11
Dieses Typoskript von Georg Britting (1891-1964) führt direkt in die Werkstatt des Schriftstellers. Es ist eines der seltenen Beispiele, in denen Britting handschriftliche Notizen in ein Typoskript einfügte. Da er im Ersten Weltkrieg an der rechten Hand schwer verletzt worden war, schrieb er seine Texte fast ausschließlich mit Schreibmaschine. Neben dem notierten Versmaß finden sich viele Ideen für die Ausgestaltung und den Inhalt des Gedichtes. Wann das Typoskript entstand, lässt sich nicht mehr feststellen. Das Gedicht erschien im September 1941 in der Zeitschrift Das innere Reich, einer national-konservativ ausgerichteten, von Paul Alverdes und Karl Benno von Mechow herausgegebenen Literaturzeitschrift, in folgender Fassung:
Goldene Welt
Im September ist alles aus Gold:
Die Sonne, die durch das Blau hinrollt,
Das Stoppelfeld,
Die Sonnenblume, schläfrig im Traum,
Das Kreuz auf der Kirche,
Der Apfel am Baum.
Ob er hält? Ob er fällt?
Da wirft ihn geschwind
Der Wind in die goldene Welt.
Das Herbstgedicht ist eines der bekanntesten Gedichte von Britting, das auch heute noch in zahlreichen Anthologien und Schulbüchern enthalten ist, allerdings in etwas veränderter Form. Für den Neudruck 1954 in der Zeitschrift Westermanns Monatshefte (Heft 9, S. 7) änderte der Schriftsteller die vierte Zeile. Seitdem heißt es etwas weniger naturmagisch: „Die Sonnenblume, schläfrig am Zaun“.
© Archiv Bayerische Staatsbibliothek
Britting gilt als bedeutender Lyriker, der der „naturmagischen“ Lyrik eines Wilhelm Lehmann nahestand, wobei die „mit vielen wirkungssteigernden rhetorischen Mitteln arbeitende Naturbeschreibung im Vordergrund“ (Haefs) stand und nicht das menschliche Subjekt. Der Durchbruch als Lyriker gelang ihm 1935 mit dem Band Der irdische Tag, für den er im selben Jahr mit dem Münchner Dichterpreis ausgezeichnet wurde. Nach dem Krieg erweiterte er seine Themen: In Die Begegnung. Gedichte erschienen 1947 erstmals seine berühmten Totentanz-Sonette, die auch die Zeit des Zweiten Weltkriegs reflektierten. In Unter hohen Bäumen (1951) verfasste Britting neben seiner magischen Naturlyrik erstmals Gedichte in klassisch antiker Odenform, etwa das bekannte „Was hat, Achill…“, das Gottfried Benn als „ein wahrhaft großartiges Gedicht“ bezeichnete. 1965 erschienen bei der Nymphenburger Verlagshandlung unter dem Titel Der unverstörte Kalender Georg Brittings nachgelassene Gedichte, „die, in formaler Weiterentwicklung, die lyrische Summe einer gereiften Lebensphilosophie bieten“ (Haefs).
W. Haefs, Britting, Georg, in: W. Killy, Literaturlexikon, Bd. 2, München 1989, S. 218f.; D. Bode, Georg Britting. Geschichte seines Werkes, Stuttgart 1962.

