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30.10.2014, 12:48 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [499]: Jean Paul über Spanien

Der Blogger, sozusagen das digitale Einbein unter den Jeanpaulianern, sucht – und er findet. Die Frage war ja: Hat sich der politische Denker und Zeitgenosse Gedanken über Napoleons blutiges Treiben in Spanien gemacht?

Er hat. In einem Briefbillet schreibt er, inzwischen in der Friedrichstraße No. 10 lebend (Gedenktafel!), am 30. November 1808 an seinen Freund Emanuel Osmund:

Ich bleibe fest bei dem Satze, Spanien ist das zweite Aegypten.

Im November lagen die furchtbaren Tage des Dos de Mayo schon ein halbes Jahr zurück. Die französischen Truppen zogen sich im Herbst aus Madrid zurück, im Oktober erschien der Kaiser höchstpersönlich auf dem Kriegsschauplatz. Madrid wurde im Winter wieder eingenommen, den Engländern gelang es vorerst nicht, trotz kleinerer Erfolge die Franzosen aus Spanien zu vertreiben. Erst 1813 waren die französischen Tage in Spanien und die Desastres de la Guerra, wie sie Goya verewigt hat, gezählt.

Jean Paul sollte letzten Ende Recht behalten: auch Spanien gehörte nicht zu den Ruhmestaten des ehemaligen Konsuls. Was er von den Spaniern an sich hielt, hatte er schon am 1. September an Friedrich Perthes geschrieben:

Auch ich treffe an diesen exotischen Blumen (Spanien) den Bund schöner Extreme an.

Was meinte, dass die spanischen Männer vernünftig, die jungen Männer fantasievoll und das ganze Volk, natürlich, unschuldig und gutmütig wie ein Kind sei.

Eine spanische Frau, gemalt von Adolf Erik Wertmüller: Doña Inés Maria Aguirre y Yoldi, die Frau des niederländischen Gesandten Graf Jacob von Rechteren-Almelo. Sie muss eine schöne Frau gewesen sein – er sieht aus wie ein Stockfisch (und hängt neben ihr im Prado). Ihren Platz findet sie hier, weil das Gemälde 1790 entstand – kurz bevor Jean Paul Die Unsichtbare Loge schrieb. Es ist dies eine eigentümliche Vorstellung: sich den Dichter an seinem Schreibtisch im „Provinzkaff“ zu vergegenwärtigen – und gleichzeitig in die Augen der schönen Frau in der spanischen Hauptstadt zu schauen.

Etwa ein Jahr zuvor entstand Goyas Porträt der Doña Tadea Arias de Enriquez – erinnert sie nicht ein bisschen an die junge Frau von Bouse?

Irgendwann im 18. Jahrhundert entstanden auch diese entzückenden Fliesen, die im Alcazar zu Sevilla ausgestellt werden. Auch hier ist es ein Leichtes, sich an die Helden unserer Geschichte zu erinnern: an Beata (oben links und rechts), an Oefel (oben, in der Mitte), an den Herrn von Falkenberg (2. Reihe links), an Gustav (zweite Reihe, rechts) und an jenes junge Mädchen, das längst unseren Blicken entglitten ist.

Foto Sevilla: Frank Piontek (September 2014)



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