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07.10.2014, 11:01 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [492]: Der Blogger trifft eine echte Königin

Welch ein Sonntag! – Heut ist Montag.

So beginnt der Einundfunfzigste oder 3te Freuden-Sektor: hochgemut.

Ich weiß kein Mittel, mich, der ich (wie wir alle durch unser Isolieren) ein Freuden-Elektrophor geworden, auszuladen als durch Schreiben, ich müßte denn tanzen. Gustav hör' ich herüber: der hat zum Auslader einen Flügel und spielt ihn. Der Flügel wird mir diesen Sektor sehr erleichtern und mir manchen funkelnden Gedanken zuwerfen. Ich hab' mir oft gewünscht, nur so reich zu werden, daß ich mir (wie die Griechen taten) einen eignen Kerl halten könnte, der so lange musizierte, als ich schriebe. – Himmel! welche opera omnia sprössen heraus! Die Welt erlebte doch das Vergnügen, daß, da bisher so viele poetische Flickwerke (z.B. die Medea) der Anlaß zu musikalischen Meisterwerken waren, sich der Fall umkehrte und daß musikalische Nieten poetische Treffer gäben. –

Der Blogger hat zu vermelden, dass er am Sonntag – welch einem Sonntag! – in der Stadt Jean Pauls eine echte Königin traf: eine bayerische. Ihm begegnete – die Bayerische Milchkönigin, aber das gehört, streng genommen, nicht hierher, obwohl der Autor nicht ansteht, sich in diesem Fall selbst als Freuden-Elektrophor zu bezeichnen. Für die Musik kann er ja das Radio anschalten oder eine CD anstellen; Benda könnte ihm gute Dienste leisten; die göttliche Medea hat er auch schon einmal gesehen, sie hörte damals auf den Namen Martina, Martina Gedeck, aber das gehört, streng genommen, auch nicht hierher.

Der Montag beginnt, die Musik spielt weiter, nach der Begegnung mit einer Königin, einer echten und liebenswürdigen und charmanten, klingt sie vielleicht etwas anders: kein Grund, an des Erzählers Freude zu zweifeln, bevor der Herbst wieder übers Land und durch den Roman kriechen wird.



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