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19.09.2014, 16:58 Uhr
Frank Piontek
Jean-Paul-Reihe
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Jean Paul selbst nannte seinen Debütroman eine „geborne Ruine“: Frank Piontek liest „Die unsichtbare Loge“ von Jean Paul, Tag für Tag, von der ersten bis zur letzten Seite, und bloggt darüber.

Logen-Blog [482]: Salzburger Interludium – mit und ohne Glockenspiel

https://www.literaturportal-bayern.de/images/lpbblogs/loge/klein/loge482k_salzach_500.jpg

Salzburg ist eine Jean-Paul-Stadt, weil

1. Salzburg das berühmte Glockenspiel besitzt.

2. Salzburg im Siebenkäs erwähnt wird.

3. Salzburg ein Mozartdenkmal aufweist, das vom Schöpfer des Bayreuther Jean-Paul-Denkmals entworfen wurde.

4. Salzburg eine der schönsten, reichsten, liebenswürdigsten und bisweilen galligsten Städte Mitteleuropas ist.

5. Salzburg eine Mozartstadt ist und eine echte Mozartin – das Bäsle – den Lebensweg des älteren Jean Paul vermutlich oft kreuzte, da sie gleich um die Ecke, in der Postei am heutigen Jean-Paul-Platz wohnte.

Der Doktor Fenk, der den Erzähler mediziniert und von der Hypochondrie heilt, bringt mich, wie es so Zufall ist, auf das Detail einer Inschrift, die der Blogger immer wieder betrachtet hat. Man liest sie auf dem Grabstein des Theophrastus Bombastus von Hohenheim, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Paracelsus. Der geheimnisumwitterte Arzt starb in Salzburg und wurde daselbst in St. Sebastian, oben in der Steingasse am Kapuzinerberg begraben. Er starb übrigens in der Kaigasse, nur ein paar Schritte und eine lange Gasse vom Glockenturm entfernt, dessen Geläute einst als Vorspielmusik die Radio-Übertragungen der Salzburger Festspiele heiter ankündigte. Klänge der Kindheit und Jugend...

Das berühmte Salzburger Glockenwerk hat hier schon einmal eine Rolle gespielt – wichtiger aber ist, dass, wie es der Zufall will, man plötzlich hinten, mitten auf dem Platz, am Salzburg Museum (dem ehemaligen Carolino Augusteum, das sich vormals, als sich der Blogger das erste Mal und dann immer wieder an die Salzach begab, noch am Ende des Gassengewirrs der Altstadt befand), die Statue Mozarts entdeckt.

Interessanterweise geraten wir, im Winter (während der Mozartwoche) oder im Sommer (während der Salzburger Festspiele), ob wir wollen oder nicht, in den Bannkreis Ludwigs I., damit zugleich in die Nähe des Bayreuther Jean-Paul-Denkmals. Völlig anders ist die Umgebung des Platzes und der grandios-erhabenen Natur – gleich aber ist der Bildhauer, der die Denkmäler schuf.

Beide Statuen wurden, im Geist des wohlgewandeten Münchner Klassizismus, von Ludwig Schwanthaler geschaffen, beide Figurenprojekte von Ludwig I. initiiert bzw. unterstützt, beide in München, in Stiglmaiers Werkstatt, gegossen, beide innerhalb eines Jahres (1841 die Bayreuther, 1842 die Salzburger Statue) aufgestellt und enthüllt.

Beide Herren wirken auch von hinten gut.

Beide Rückseiten besitzen interessante Beigaben: hier den Ruhmeskranz, dort das Ruhmesgerank am Stamm.

Und beide Herren werden über ihre Schreibarbeit definiert.

Unendlich fleißig waren sie beide – und geistreich und beglückend. Es war schon richtig, dass ihnen ein Denkmal gesetzt wurde: auch mit den Gulden des bayerischen Königs.

Fotos: Frank Piontek, 2011-2013. Mozart-Rückseite: Photograph by Gakuro July 2005, licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported



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